Mrz 6 / G&E

Bye Bye Bangkok

Mal sehen was davon heil ankommt...

Nachdem wir unsere überschüssigen Pfunde per Seefracht auf die lange Reise nach Hamburg geschickt haben, bleibt noch folgendes zu erledigen:
-Der Obstverkäuferin bei der wir ein Jahr lang ausschliesslich Mangos gekauft haben, obwohl sie uns jedesmal auch anderes Obst angeboten hat, und die uns deshalb vermutlich für reichlich sonderbar und mangelernährt hält, ein letztes Mal Mangos abkaufen. Liebgewonne Schrullen soll man auf den letzten Metern nicht plötzlich aufgeben.
-Dem stets schlafenden Nachtwächter einen Obstkorb inklusive Mango überreichen, aus Dank für die von ihm gewährleistete Sicherheit. Was bietet schliesslich besseren Schutz als Wachpersonal, welches dem mutmaßlichen Räuber durch demonstrative Nichtbeachtung suggeriert, dass es rein garnichts zu holen gibt?
-Unsere Telefone abmelden, mit der Hoffnung, dass wir bei Ankunft nicht aus Versehen einen Fünfjahresvertrag unterschrieben haben.
-Nochmal den Fluss, den Blumenmarkt und unser Lieblingsrestaurant besuchen, und dort soviele Freunde wie möglich hinlocken.
-Die letzte Nacht ohne Ventilator schlafen, denn den haben wir schon verschenkt.
-Eine Methode finden, wie man Kleidung so packt, dass man mit wenigen Handgriffen von 33 Grad plus, auf  3 Grad minus adaptieren kann.

Danke, Tschüss und bis bald. Gabriele und Enver

Feb 12 / G&E

The Return of the Superzipfel

Evening im Morning Mist

Die letzte Expedition unseres Tropenaufenthalts führt uns in den Khao Sok Nationalpark. Wir checken im Hotel “Morning Mist” ein, welches trotz des missverständlichen Namens, recht viele Deutsche Wanderer beherbergt.
Es gibt verschiedene geführte Touren in den Park: “one day trek”, “half day big flower” und “half day trek”. Am neugierigsten sind wir natürlich auf die “Big Flower”- die sagenumwobene Rafflesia. Sie hat die größte Blüte der Welt, wobei die Khao Sok Variante sich hier mit Platz zwei begnügen muss. Wir erfahren, dass es kürzlich noch Blüten gegeben hätte, aber da die immer nur ein paar Tage hielten, müsse man nun 10 Tage warten, bis es wieder soweit sei. Uns bleibt also, vom Tauchen noch etwas geschwächt, nur der bigflower-lose “half day trek”.

Big Flower, no have

Dieser Dschungepfad ist schon etwas ausgetreten

Der Trek in den Dschungel ist etwas weniger naturnah als erwartet, und unser Guide zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er gerne und reichlich pausiert, um die ein oder andere Selbstgedrehte zu rauchen. Er ist recht wortkarg, erhellt unsere Wissbegier aber mitunter durch Äußerungen wie “Yellow Bird” wenn ein gelber Vogel an uns vorbei fliegt. Ungeheuer gesprächig wird er plötzlich gegenüber zweier australischer Blondinen die unseren Weg kreuzen, und wir werden daran erinnert, warum das Wort Antrieb von Trieb abgeleitet ist.

Kleinvieh macht auch Mist

Also doch: Eine frisch gestrichene Rafflesia!

Für den zweiten und dritten Tag buchen wir das Paket “lake, 2 day”.
160 Quadratkilometer des Parks bestehen nämlich aus einem Stausee der zur Stromerzeugung dient. Dieser See wird auch touristisch genutzt, und man kann sich mit den klassischen “Longtail-Booten” darauf herumschippern, und zu Orten bringen lassen, die man auf Strassen nicht erreicht. Bucht man mit Übernachtung, wird man in einem schwimmenden, sogenannten Raft House untergebracht, von dem aus man in den See springen, oder herumpaddeln kann.
Flutet man ein Tal, gibt es immer Kollataralschäden. Dem Staudamm sind 13 Dörfer zum Opfer gefallen und jede Menge Wald, in dem die “lohnenden” Bäume, bevor das Wasser kam, gefällt wurden. Von den nicht so lohnenden, ragen immer noch einige abgestorbene Stämme aus der Flut und geben der Landschaft ein prähistorisches Flair.
Schließt man die Augen, sieht man große Dinosaurier mit langen Hälsen an Ästen nagen.

Fast so schön wie an der Alster

Pech gehabt

Die thailändische Antwort auf den Treibhauseffekt: Das schwimmende Niedrigenergie-Reihenhaus

Das “Team Morning Mist” besteht neben uns noch aus einem englischen und einem deutsch-brasilianischem Pärchen. Zu sechst sind wir klein und wendig und unser Führer “Big Man” geleitet uns, trotz starker Zahnschmerzen, zielsicher zu einer Höhle. Da wir nicht genügend Stirnlampen haben, warten wir am Ausgang der Höhle auf eine andere Gruppe Wanderer, denen wir ein paar Lampen abluchsen können. Die Gestalten die uns dann triefend und mit etwas angestrengten Gesichtern die Lampen überreichen, lassen in uns die Frage aufkeimen, was wohl ihre Mienen so verfinstert hat: Etwa die handtellergroßen Spinnen, die vielen Fledermäuse, oder doch das Flußwasser, was an vielen Stellen durchwatet, am Ende aber durchschwommen werden muss?
Wir finden es jedenfalls total abenteuerlich und kommen ohne Blessuren, und deutlich fröhlicher als unsere Vorgänger, wieder heraus.

Der Dschungel, Herr Big Man und ein Hornbill

Nee wie witzig: Im Amerikanischen heißt Höhlenwandern "Spelunking"

Bevor wir uns in unsere Bambusbehausung zurückziehen, planen wir, uns vor Sonnenaufgang ein Kanu zu schnappen, und auf den See hinauszupaddeln. Sorgen macht uns dabei jedoch die Konkurrenz der anderen Reihenhausbewohner, da es nicht genügend Boote für alle gibt. Als unsere australische Bungalownachbarin allerdings versucht, uns auf ein paar Züge aus ihrem neuen, selbstgebauten Bambus-Bong einzuladen, und uns erklärt, dass es noch viel besser knallt, wenn man anstatt Wasser, Whiskey einfüllt, lösen sich unsere Kanusorgen augenblicklich in Rauch auf.
Bis auf die Geräusche des Dschungels, ist der See so früh am morgen absolut still. In der Ferne hört man das Rufen der Gibbons. Überall raschelt, zirpt und fiept es, aber außer einem Busch der verdächtig wackelt, sehen wir nichts.

Heute passiert hier mal nicht so viel

Nach ausgiebigem Gepaddele und mehreren Spiegeleiern fahren wir quer über den See, zur “Coral Cave”. Die Landschaft ist atemberaubend und in der Höhle gibt es bizarre korallenartige “Tropfsteine” zu sehen. Wir treffen einige Dänen in Fußballtrikots, gehen nochmal schwimmen und treten schließlich die Rückreise ins dicke B an.

Abgesoffen aber schön

Gekröse aus Stein

Diese Inseln waren einmal Gipfel - Sie heißen "das Guilin Thailands"

Feb 8 / G&E

Ausflug ins Blaue

Nur mentale Stärke bringt einen um 6.30 Uhr in die Nähe eines Neoprenanzugs

Mitten in unsere Planungen noch einmal Tauchen zu gehen, platzte neulich die Nachricht, dass die thailändische Regierung diverse Tauchplätze wegen Korallenbleiche geschlossen hat. Verantwortlich dafür wird vor allen Dingen der Anstieg der Meerestemperatur gemacht, aber auch der Tauchtourismus macht die Sache nicht unbedingt besser. Wir denken: Mist!, und buchen trotzdem einen sogenannten “Liveaboard Trip” zu den Similan Islands. Dort erfahren wir dann, dass überhaupt nur zwei Stellen gesperrt sind. Tourismus geht eben doch vor.
Als wir schon fast im Taxi zum Flughafen sitzen, ruft der Veranstalter an und verkündet, das Boot hätte einen Motorschaden, und könne leider nicht auslaufen. Man wäre aber bereit uns das Geld zurückzuerstatten. Diese Lösung finden wir zwar ungeheuer großzügig, aber angesichts unseres unmittelbar bevorstehenden Fluges nur bedingt attraktiv. Nach einigem hin und her, kommen wir auf einem anderen Boot unter, welches zwar mehr Gäste und weniger Komfort bietet, dafür aber einen funktionierenden Motor hat.

Körperhaltungen die an Land merkwürdig scheinen, gehören unter Wasser durchaus zum guten Ton

Possierlich: Krustentiere in ihrem natürlichen Habitat

Heimtückisch: Der Japaner isst nicht nur ständig Walfleisch, sondern auch niedliche Kugelfische

Logisch: Wer nur aus Flosse besteht kann gut schwimmen

Sich früh aus der Koje zu quälen trägt manchmal besondere Früchte, denn am zweiten Tag begegnen wir einigen Mantarochen. Zu sehr durch die Kleinstlebewesen des Meeresbodens in den Bann gezogen, bemerkt die weibliche Hälfte des Tauchteams jedoch nicht, dass über ihr große lebende Tischdecken ihre Bahnen ziehen.

Der Tagesablauf an Bord sieht indes folgendermaßen aus: Aufstehen – Tauchen – Frühstücken – Dösen – Tauchen – Mittagessen – Dösen – Tauchen – Abendessen – Tauchen (im Dunklen) – Ein Bierchen trinken und dabei dösen – Schlafen…

Einfach mal die Beine baumeln lassen

Kreaturen der Nacht

Diese Nacktschnecken sind für Salatköpfe ungefährlich

Viele Koreaner achten auch im Flachwasser stehts auf ausreichende Schutzkleidung

Vier Tage auf einem kleinen Boot mit wildfremden Menschen, ist immer wieder eine interessante Erfahrung. In diesem Fall halten sich die Überraschungen allerdings in Grenzen. Es gibt eine vierköpfige ostdeutsche Familie die nicht spricht, einen Regisseur aus Berlin, der eine interessante Frisur hat und auch nicht spricht, fünf Tauchlehrer die immer am Bug sitzen und rauchen, eine Holländerin aus der Stadt, und zwei Holländer vom Land, von denen der eine am dritten Tag etwas mit der deutschen Tauchlehrerin anfängt, zwei Schwedinnen die mit sich selbst im Einklang sind, einen serbischen Schweden mit langen Haaren und Goldkettchen, der Schwierigkeiten hat sein Testosteron und seine Tauchkünste in Einklang zu bringen, einen Dänen der aussieht wie George Clooney und bei der Bank arbeitet, aber eigentlich lieber was sinnvolles machen will, zwei Engländer – einen aus Birmingham der sämtliche “The Streets” Lieder mitrappen kann, und einen aus Portsmouth, der wie alle Engländer darüber nachdenkt wie er sich bei seinem Gehalt bloß eine eigene Immobilie leisten kann, und zu guter letzt noch einen australischen Elektriker mit orwellscher Tätowierung, der Tauchen noch interessanter findet als die Elektrik, und sich ein Jahr Tauch-Sabbatical verordnet hat.

Aussie Aussie Aussie, Oi Oi Oi

Auch im Tierreich sind Wohngemeinschaften nicht gänzlich unbekannt

Wer ausschert wird gefressen

Tag drei hält das bis dato bizarrste Taucherlebnis für uns bereit. Wir entdecken plötzlich mehrere schwarze Seepferdchen, an einem Ort, an dem diese eigentlich überhaupt nicht vorkommen. Die Lösung lauert hinter dem nächstem Felsvorsprung, in Gestalt einer zwanzigköpfigen Gruppe tauchender Koreaner, die ausgerüstet sind, als müssten sie das Loch der ‘Deepwater Horizon’ verschließen. Hier lautet die Mission hingegen: Bring gekaufte Seepferdchen in deinem teuren Spezial-Weltraum-Teflon-Behälter mit an den Tauchplatz,  fotografiere sie mit sehr großen Kameras, und erzähle deinen Kumpels zuhause dann, du hättest sogar Seepferdchen gesehen. Wie immer frei nach dem Motto “Ich mach’ mir die Welt, Widdewidde wie sie mir gefällt ….”

Seepferdchen im falschen Film

Das Wrack, 'ne dufte Bude

Ein Platz an der Sonne

Feb 3 / G&E

Frohes Neues

Die rote Laterne

Nachdem wir das Silvester des Abendlandes, in eher kleinem Kreise, mit ein paar gepflegten Cocktails und der Abnahme des staatlich genehmigten Feuerwerks begangen haben, heisst es beim zweiten der drei thailändischen Neujahrsfeste nun: Raus ins Getümmel. Wir wagen uns also, angelockt durch das Gefunzel zahlreicher Laternen, hinaus in das Auge des Orkans: Bangkoks Chinatown
Schon seit einigen Wochen sind die Indizien für das neue Chinesische Jahr – das Jahr des Hasen – unübersehbar. Neben Laternen gibt es kleine rote Umschläge zu kaufen, in denen man seinen Lieben, oder auch dem örtlichen Polizeichef, angemessene Geldgeschenke überreichen kann. Auch die Zahl glücksbringender Winkekatzen, Fischanhänger und natürlich Hasen in jeglicher Form, hat deutlich zugenommen. Letzte Zweifel darüber, dass der große Tag naht, werden durch die vielen rotgekleideten Menschen die einem überall begegnen ausgeräumt. (Nicht zu verwechseln mit den “Rothemden”, siehe ‘politische Bewegungen’). Der Chinese trägt zum Neujahr eben eine Woche lang rot, weshalb man auch keineswegs von einer gelben Gefahr sprechen kann.

Im Hasenjahr haben selbst die Bunnies lange Löffel

Spiel und Spaß für alle drei Geschlechter

Die thailändische Bevölkerung besteht zu 14 Prozent aus Chinesen. Beim Betreten von Chinatowns Hauptschlagader, der Yaowarat Strasse, scheint es, als wäre der Großteil dieser rund 11 Millionen Menschen auch gerade da, um es mal wieder ordentlich krachen zu lassen.
Wir kämpfen uns durch Räucherstäbchenschwaden, vorbei an fotoverliebten Teenagern, schwitzenden Langnasen und hunderten von Fressständen, zu unserer Lieblingskreuzung vor. An dieser Kreuzung nämlich, gibt es zwei konkurrierende Seafood-Restaurants – das mit den roten T-Shirts und das mit den grünen T-Shirts. Normalerweise gehen wir in das rote, aber da das grüne wegen Neujahr heute auch das rote ist, und uns der mit Funkgerät ausgestattete, auf einem wackeligen Hocker stehende Platzanweiser schnell einen Tisch zuweist, gehen wir heute mal ins grüne. Auch lecker!

Zu Besuch bei Meister Lampe

Wo ein Chinese ist, verstecken sich noch tausend hinter der Tapete

Auf dem Rückweg werden wir Zeuge Zeuge eines ‘royalen Moments’, denn Prinzessin Sirindhorn, die im Volk ebenso verehrt wird wie der König, besucht einen chinesischen Tempel. Dazu wird die halbe Armee bereitgestellt um die Strasse abzuriegeln und man darf sogar ausnahmweise nicht fotografieren. Das würde aber ohnenhin nichts bringen, denn die Prinzessin saust aus dem Auto ohne sich umzudrehen und uns zu winken – also wirklich!
Uns bleibt nur der Bus Nummer 8 nach Hause, denn Taxis gibt’s heute keine – schließlich ist Neujahr.

Warten im Schatten der Königstochter

Jan 8 / G&E

Der schoene Schrein

Dass in Thailand der Bhuddismus recht beliebt ist, ist kein Geheimnis. Da Buddha aber durchaus ein paar Fragen offen gelassen hat, und das Nirvana auch selten hinter der nächsten Strassenecke zu erreichen ist, behelfen sich die Thais im täglichen Leben mit einigen hilfreichen brahmanischen und animistischen Zusatzbräuchen. So gibt es eben nicht nur über 30.000 buddhistische Tempel, sondern auch Millionen von Geisterhäusern und Schreine für verschiedenste metaphysische Angelegenheiten.
Man könnte natürlich sagen, das sei alles Hokus Pokus und Aberglaube. Aber, Monotheisten dieser Welt spitzt nun eure Ohren: Die Thais finden es geradezu lächerlich, dass es zwischen Buddhismus und anderen spirituellen Überzeugungen auch nur den geringsten Widerspruch geben könnte.

Wir finden das bemerkenswert und stellen an dieser Stelle ein paar der Bangkoker Top-Schreine vor:

Erst der Bengel , dann der Schwengel

Auf unserer Position Nummer 1, ist ganz klar der Penis-Schrein der weiblichen Fruchtbarkeitsgöttin Tubtim. Dieser Schrein wird natürlich vorwiegend von Frauen mit Kinderwunsch besucht. Der Trick ist der Fruchtbarkeit zunächst mit Blumengirlanden und Räucherstäbchen auf die Sprünge zu helfen, und, geht der Wunsch in Erfüllung, der Göttin hinterher einen Penis zu spendieren. Angeblich hat das schon oft prima funktioniert, da braucht jetzt keiner so verklemmt zu tun!

Einer für Alles

Der Bangkoker Schrein der Schreine ist der Erawan Schrein. Hier gibt es keine thematischen Beschränkungen was die Wünsche angeht. Menschen die hier opfern, schütteln chronische Krankheiten ab, kommen zu Geld, haben Erfolg im Beruf und in der Liebe, und werden generell vom Gott Brahma begünstigt.
Interessant auch die Entstehungsgeschichte: Als in den fünfziger Jahren an dieser Stelle das Erawan Hotel gebaut wurde, kam es zu einer Reihe von Unglücken und Missgeschicken. Die Arbeiter stellten daraufhin ihre Arbeit ein, und erst nachdem durch den Bau des Schreins die ansässigen Geister befriedet wurden, konnte die Arbeit zu Ende gebracht werden.
Die beliebteste Opfergabenkombination besteht hier aus 12 Räucherstäbchen und einer Blumengirlande. Geht es um etwas größere Wünsche hilft ein Obstteller, oder ein Tablett mit Kokosnüssen, wahlweise mit oder ohne kleine Teakelefanten. Bei extrem kniffeligen Angelegenheiten sollte man allerdings die thailändischen Tänzerinnen engagieren, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Im Schrein zur goldenen Furie

Diese Tempeltiere müssen nicht speziell gefüttert werden

Spiritualität und Chaos

Diese Tempeltiere können bei entsprechender Fütterung das Karma positiv beinflussen

Der unheimlichste aller Schreine ist der Mae Nang Nak Schrein, auf dem Gelände des buddhistisches Tempels Wat Mahabut. Er befindet sich am Rande des Tempelgeländes und beherbergt eine geschminkte goldene Frauenstatue mit Echthaarperücke und voll eingerichtetem Zimmer, inklusive Fernseher. Auf dem Weg dorthin passiert man unzählige Wahrsager, die ihre Dienste, wegen des großen Angebots, zu sehr attraktiven Preisen anbieten. Ein bisschen Thai zu verstehen kann dem Verständnis der Weissagung hier natürlich helfen.

Es war einmal eine schöne junge Frau namens Nak. Die verliebt sich den stattlichen Maak. Während Maak für sein Land in den Krieg zieht, bleibt die schwangere Nak zu Hause. Bei der Geburt sterben Mutter und Kind, doch weil die Liebe zu Maak so groß ist, weigert sich ihr Geist das Haus zu verlassen. Maak kommt schließlich aus dem Krieg zurück und lebt nichtsahnend eine Weile mit den Geistern seiner Kleinfamilie zusammen. Als er irgendwann den Irrtum bemerkt, flieht er in den Tempel. Der Geist von Mae Nak wird daraufhin ziemlich sauer, und überzieht das Dorf mit Terror. Erst ein Geisterbeschwörer kann ihren Amoklauf stoppen, indem er ihr ein Stück des Stirnknochens herausschneidet und eine Gürtelschnalle daraus macht.

Man könnte hier nun die berechtigte Frage stellen, warum man einer solchen Furie etwas opfern sollte. Unbedingte Liebe zählt als Charakterzug aber offensichtlich mehr als Kratzbürstigkeit. Folgerichtig opfern hier also Paare um ihre Liebe zu beschwören, Männer die zum Militär eingezogen werden sollen (und nicht hinwollen), Frauen die ihre Ehemänner aus dem Bann von Mätressen und Nebenfrauen befreien wollen, und ein paar richtige Nummern im Lotto soll man hier auch abfragen können. Neben den üblichen Räucherstäbchen, sollten hier feminine Geschenke für Nak, und Spielzeug für das Kind geopfert werden. Schwangeren wird von dem Besuch des Schreins, aus nachvollziehbaren Gründen, dringend abgeraten.

Für dich...soll's rote Rosen regnen...

Wir beschließen diesen Beitrag mit einem Ort, der eine klare Aufgabe zu erfüllen hat.
Der Trimurti Schrein ist DER Spezialschrein für alle Liebesangelegenheiten. Man opfert hier idealerweise neun oder sechzehn rote Rosen, rote Kerzen und neun Räucherstäbchen.
Die Dreifaltigkeit der hinduistischen Götter Brahma, Vishnu und Shiva bewirkt, dass man entweder seinen Traumpartner/Partnerin findet, die Liebe in der Beziehung gefestigt wird, oder dass in die Brüche gegangene Beziehungen wieder gekittet werden. Besonders wichtig ist Trimurtis Unterstützung bei Beziehungen zwischen thailändischen Frauen und ausländischen Partnern. Ohne dass gemischte Paare hier geopfert haben, sieht es für die Beziehung ganz schlecht aus.

Dez 19 / G&E

Der Weihnachtshase

Weihnachten machen wir mal blau

Als wir neulich beim Joghurtkauf das erste Mal mit Jingle Bells konfrontiert wurden, da wussten wir es: Die Globalisierung macht keine Gefangenen.

Nun dachten wir ja eigentlich, dass wir dieses Jahr bei den Buddhisten in Sicherheit sind: Keine Dominosteine (Schmelzgefahr), keine Weissen Bärte und Pelzkrägen (Überhitzungsgefahr), keine Tannenbäume (gibt’s in den Tropen nicht) und keine Weihnachtslieder, die spätestens ab dem zweiten Advent auf das menschliche Sensorium wirken, wie chinesische Wasserfolter auf Regimekritiker.
Da sich unsere Wahlheimat Bangkok aber mit Haut und Haaren dem Konsum verschrieben hat, und man in Thailand jede noch so kleine Gelegenheit nutzt um zu feiern, erfahren wir leider nur eine Teilverschonung.

Tatsächlich gibt es kaum Spekulatius und gar keine Dominosteine zu kaufen. Auch verzichtet man hier auf die Nummer Eins des akustischen Waterboardings, ‘Last Christmas’ von George Michael, der übrigens seit Mitte Oktober wieder auf freiem Fuß ist – allerdings ohne Führerschein. Die Klänge des traditionellen Weihnachtsliedes hingegen sind allgegenwärtig, und in den Einkaufszentren tummeln sich thailändische Weihnachtsmänner. Was den Weihnachtsschmuck betrifft, entdecken wir allerdings eine Besonderheit: Hasen.
Auch nach eingehender Befragung unseres näheren Bekanntenkreises, konnte sich bisher keine Theorie zum Leitmotiv „Weihnachtshase“ durchsetzen.

These 1: Unser chinesischer Freund behauptet, es habe alles mit dem chinesischen „Jahr des Hasen“ zu tun, welches am 7. Dezember begonnen hat.
Aufgepasst: Auch König Bhumipol wurde in einem Hasenjahr geboren.
Stimmt diese Theorie müssten nächstes Jahr lauter Drachen an den Bäumen hängen.

These 2: Die Notwendigkeit sämtliche christlichen Feiertage in einem einzigen Fest zu kombinieren – man kann ja nicht immerzu feiern, es gibt schliesslich auch noch jede Menge „Buddha Tage“ – kulminiert in der Figur des Weihnachtshasen.

These 3: Thailänder sind komplett essfixiert. Das einzig mögliche thailändische Wappentier für Weihnachten ist also der Hase, denn er hat Löffel. Da nicht etwa Stäbchen hier das wichtigste Essgeschirr sind, wie viele denken, sondern Löffel, verspricht der Hase einen reich gedeckten Tisch.

These 4: Da sich große Teile der (männlichen) westlichen Besucher Bangkoks aufführen wie die Karnickel, und Weihnachten DAS Fest des christlichen Abendlandes ist, liegt die Symbolik klar auf der Hand.

These 5: Dafür, dass die thailändischen Reisbauern kein Wasser mehr haben um ihre Felder zu bestellen, weil die Chinesen am Oberlauf des Mekongs fünf Staudämme gebaut haben, hat China Thailand mit 600.000 Plüschhasen kompensiert.

Vorsicht: Diese Bäume haben Ohren

Der Hase, bei jung und alt gleichermassen beliebt

Durch diese hohle Gasse sollst du tragen dein Geld - ins Shoppingcenter!

Oft helfen auch bescheidenere Mittel um eine festliche Stimmung zu erzeugen

Tropenkoniferen...

...Eiskristalle...

.

...und Rentiere...

...doch am Ende bleibt der Mümmelmann.

Nov 21 / G&E

Loy Krathong

Mit dem Thai auf du und du

Was dem Deutschen sein Sylvester ist, das ist dem Thai das Lichterfest “Loy Krathong”. Weil die Thais solche Feiernasen sind, haben sie sich neben dem Neujahrsfest “Songkran” (siehe April) praktischerweise noch ein zweites Fest spendiert, bei dem ähnliche Wünsche in Erfüllung gehen sollen. In Bangkok fällt dieser Event stets mit einem Jahrmarkt am Golden Mount, in Bangkoks Altstadt, zusammen. Der goldene Chedi (ein spitzer kegelförmiger Pinökel) dieses künstlichen Hügels, wird während des fünf-tägigen Fests mit einem roten Tuch umwickelt und die halbe Stadt pilgert die 318 Stufen hoch, um diesen im Uhrzeigersinn dreimal zu umrunden. Auch wir probieren das aus und stellen fest, dass es in keinem Fall schadet. Ausserdem heisst es ja: When in Rome, do like the Romans do.
Dieser ohnenhin schon sehr schöne Ort, verwandelt sich während der 5 Tage in ein funkelndes, von Menschen eingefasstes Juwel, und wenn man nicht unter Klaustrophobie leidet, kann man sich wunderbar mit den Massen einmal über den Hügel waschen lassen. Zur Erfrischung von Geist und Körper wird man, oben angekommen, von Mönchen mit heiligem Wasser besprenkelt.

Showdown auf dem Golden Mount

Wieder unten angekommen, empfangen uns die Futterbuden, Karussels und die üblichen Schnick-Schnack Stände, und hüllen uns in einen Kokon aus Dampf, Lärm und jeder Menge unterschiedlicher Gerüche. Und nein: Es riecht hier nicht nur nach Zuckerwatte.
Die Fortbewegung in Thai Geschwindigkeit – ein Tempo in dem der Flip Flop sich in Ruhe von der Hacke lösen, eine Zeit auf dem Asphalt verweilen, und dann erst viel später zurück zum Fuß wandern darf – führt uns auch an mehreren Insekten-Snackbuden vorbei. Obschon kein neuer Anblick, keimt an diesen Ständen in uns immer wieder die Frage auf, warum es nur so schwer ist alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, und nicht endlich mal herzhaft und ohne Vorurteile in eine leckere Schabe zu beißen.

Proteine für die Zeit danach

Sportschützen erhalten bei religiösen Feierlichkeiten eine Ausnahmegenehmigung

Bitte folgen Sie dem Chinesen in dem roten T-Shirt

Neben Speis, Trank und chinesischen Plüschtieren gibt es auch einige nostalgische Jahrmarktsattraktionen. In einem gewissen Alter kann zum Beispiel das durch pure Menschenkraft angeschobene Karussel, mit traditionellen thailändischen Tiermotiven, wie dem rosa Grottenolm, und Überbleibseln des thailändischen Raumfahrtprogramms, überzeugen.
Noch spannender sind allerdings die Buden mit den Klassikern des Jahrmarktgeschäfts. Eingelegte siamesische Zwillinge (zensiert, aber auf Nachfrage erhältlich), diverse Kreaturen ohne Unterleib und Monster aller Art.

Schön wie ein Schmetterling

Die Blumen des Bösen

Der weitere Verlauf des Abends und gleichzeitiger Höhepunkt, ist der Stapellauf unserer Krathongs. Das kleine Floß (Krathong) wird nämlich zu Wasser gelassen, um mit all dem Ärger und den Verunreinigungen der Seele den Fluss hinabzuschwimmen (Loy). Die Flöße sind traditionell aus Bananenstauden, in den letzten Jahrzehnten aber auch oft aus Styropor. Wir verzichten darauf dem Jungen auf dem Foto einen Vortrag darüber zu halten, dass Styropor nicht verrottet und die Meere verschmutzt, da wir das Bild des unerbittlichen Deutschen, im Ausland nicht weiter zementieren möchten. Stattdessen entscheiden wir uns für die dritte Materialvariante: Brot
Wir freuen uns wie Bolle, finden uns irre umwelbewusst und wissen, dass auch die Fische des ‘Chao Praya’ Flusses was davon haben. Bisher wurde jedenfalls noch nicht bewiesen, dass Fische bei Verzehr eines Brot-Krathongs, unter all den Verunreinigungen der menschlichen Seelen zu leiden haben.
Abschliessend wechseln wir die Flussseite und erklimmen noch einmal den Tempel der Morgenröte, der zur Feier des Tages auch nach Einbruch der Dunkelheit geöffnet hat.
Hier oben ergibt plötzlich alles einen Sinn.

Achtung: Jetzt kommt ein Krathong

Okt 29 / G&E

Cay El

Vorbei an weiteren 150 Kilometern Ölpalmen Monokultur, erreichen wir mittags Kuala Lumpur, im Volksmund auch KL (sprich Cay El) genannt, den dritten Teil unseres ‘Visa-Runs’. Bei Ankunft tritt zunächst Verwirrung ein, denn weder ist klar wo wir gelandet sind, noch gibt es Taxis. Mit asiatisch verfeinerter Spürnase ermitteln wir aber schliesslich einen Bus, der in die Nähe der Innenstadt fährt, und schon hier stolpern wir über ein erstes korruptionsbedingtes Problem dieser Stadt: Es gibt theoretisch ein tolles öffentliches Nahverkehrsnetz, nur dass die einzelnen Bahnlinien nicht miteinander verbunden sind. Man geht also im Zweifel besser zu Fuß, und da die Stadt sehr hügelig ist, besteigen sofort unsere erste Anhöhe um festzustellen, dass sämtliche Hotels ausgebucht sind.

Das deutsche Cricket Team schreitet zur Siegerehrung

Schliesslich finden wir doch noch ein zweckmäßiges Zimmer in einem zweckmäßigen Businesshotel. Die dahinter liegende Gasse ist, wie alle Gassen in KL, eigentlich nur mit Schutzanzug zu betreten und führt bei einem Teil unserer Reisegesellschaft zu einer spontanen General-Antiphatie.

Typisch: Erst Kuscheltiersträuße kaufen und dann den Müll aus dem Fenster schmeißen

Von unserem Hotelzimmer aus hört es sich so an, als wären die meisten Autos in KL kaputt. Beim Betreten der Strasse werden wir dann allerdings fast von einem Ferrari überfahren, dem noch 300 weitere folgen. Komisch dass so teure Autos keinen Auspuff haben, aber ein Sportwagen ohne “Noise-Pollution” ist schliesslich wie eine “Sports-Bar” ohne fusslahme Alkoholiker.

Die Achterbahn im Shopping Center - der Ferrari des kleinen Mannes

Beim Ein-Euro-Job als Tempelwächter ist auch mal ein Nickerchen drin

Der gewissenhafte Tourist besucht natürlich auch die ein oder andere Kultstätte der ortsansässigen Religionen. In KL machen die chinesischen Tempel das Rennen um die beste Athmosphäre vor den indischen. Auch der Besuch der Batu Caves ausserhalb der Stadt bringt den Indern keinen Vorsprung ein, denn von den 1,3 Millionen Hindus die sich hier im Frühjahr versammeln, und von denen sich die ganz Frommen Haken in die Haut stecken um daran Milchgefässe aufzuhängen, ist im Oktober weit und breit nichts zu sehen.

In den Batu Caves finden es sogar die Affen ein bisschen öde

Die Tempel der Malaien sind natürlich Moscheen, auf die am besten das alte deutsche Sprichwort “außen hui, innen pfui” passt. Wir lassen sie deshalb links liegen und sehen uns lieber das Schmetterlingsgehege an.

Original...

...und Fälschung

Ein Gang über den Nachtmarkt in Little India, bestätigt noch einmal die chinesische Dominanz in der Warenklasse ‘billig, bunt und aus Plastik’, hier allerdings mit dem Schwerpunkt auf Haushalt und Freizeit und weniger auf Souvenirs. Bei den Nahrungsmitteln greift man eher auf lokale Anbieter zurück und wir entdecken das längste Hot Dog der Welt.

Manchmal ist es schwer sich zwischen Gegrilltem, Gebratenen und Gekochtem zu entscheiden

Und da behaupte noch einer der Moslem sei intolerant

Wo Füchse mit Ananas werfen fallen auch chinesischen Weihnachtsbäume um

Weil wir nicht wissen wie ein solches Hot Dog zu essen ist ohne sich komplett einzusauen, votieren wir für ein Restaurant mit Stühlen und Servietten. Unsere Suche endet im Coliseum, einem Speisesaal mit angeschlossener Bar, die recht wienerisch wirkt. Zunächst glauben wir in einem indischen Restaurant zu sein, da es außer den Österreichern und den Gastwirten ehemaliger Ostblockländer eigentlich nur die Inder fertig bringen ein Restaurant 90 Jahre lang nicht zu renovieren. Dann aber stellt sich heraus, dass wir in einem Steakhaus gelandet sind. Der Kellner sieht so aus als wäre er seit 1921 dabei, aber das Steak kann noch nicht so alt sein und schmeckt vorzüglich.

Ein Steak in Little India? Den Hindus sind nicht mal mehr ihre Kühe heilig!

Neben all der Schrabbeligkeit, gibt es selbstverständlich auch ‘das neue KL’, schliesslich ist Malysia ein Tigerstaat. Hat man in der Stadt sonst an vielen Stellen das Gefühl eigentlich hinter den Häusern zu stehen, auch wenn man schon davor steht, gibt es eine rühmliche Ausnahme:
Die Petronas Towers. Die schönsten Wolkenkratzer der Welt.

Spitz wie Nachbars Lumpi

Okt 28 / G&E

Das Erbe der Diebe

Mit dem Magic Bus fahren wir nach Melaka, zur Wiege Malaysias. Die Fahrt geht vorbei an endlosen Ölpalmenplantagen, die als Landwirtschaftliche Errungenschaft sogar auf den malysischen Geldscheinen abgebildet sind. Wir fragen uns ob es ein paar Tiere des Regenwalds geschafft haben trotzdem zu überleben, glauben es aber nicht, und erneuern unseren Schwur nie wieder Margarine zu essen oder Ikea Kerzen zu kaufen.
Da Melaka in günstiger Nähe zu den indonesischen Gewürzinseln wie Sumatra liegt, haben sich sämtliche gierigen europäischen Kolonialmächte hier über Jahrhunderte die Klinke in die Hand gegeben, und jeder hat gemeuchelt, gemopst und sich die Taschen vollgestopft. Zumindest haben sie dabei ein paar architektonischen Spuren hinterlassen, die den Touristen nun betören.

Verrückt: Es gibt eine Grenze zwischen Portugal und Holland von der bisher niemand wusste

Wo es was zu handeln gab, waren natürlich auch die Chinesen nicht weit. Und noch mehr als alte Forts und Kirchen, betören uns die historischen Shophouses in Chinatown, weshalb wir in einem davon sogleich Quartier beziehen. Bei einer Begehung des Viertels entdecken wir neben allerlei Tand auch ein paar interessante Tempel und Menschen, die uns gänzlich unbekannte Handswerkskünste pflegen. Da ist zum Beispiel der Schuster, der noch immer die Schuhe für die kleinen verkrüppelten chinesischen Frauenfüsse herstellt, nun allerdings nicht mehr für echte Füße sondern als makaberes “Souvenir”. Ausserdem finden wir einen Mann, der sich sehr viel Mühe damit gibt papierende Dinge für chinesische Begräbnisse herzustellen. Es scheint ihn auch nicht weiter zu stören, dass seine kleinen Kunstwerke bei der Zeremonie verbrannt werden.

Die Armee der Finsternis

Am Abend gibt es dann in Chinatown einen der berüchtigten asiatischen Nachtmärkte, auf denen es überall den gleichen chinesischen Plunder zu kaufen gibt. Die einzige Ausnahme macht ein schwuler Holzlatschenverkäufer, in dessen Laden wir am nächsten Tag ein merkwürdiges Babykissen in Form eines Drachens kaufen. Dass Kissen ist allerdings so hart, dass man damit Fensterscheiben einwerfen kann und wir vermuten dass Babys die auf solchen Kissen schlafen, später nicht anders können als die Weltherrschaft zu übernehmen.
Am Anfang des Marktes demonstriert ein marktschreiender Kung Fu Meister, wie man mit dem Finger eine intakte Kokosnuss perforiert. Um den verbogenen Finger danach wieder zu begradigen, muss er seine eigens hergestellter Spezialmedizin auftragen, die er freundlicherweise, natürlich auch für einen Spezialpreis, an das Publikum verkauft.

Kung Fu Meister Dr. Ho Eng Hui - "The Godfather of Coconut Destruction"

Hat man den Markt hinter sich gelassen, zeigt einem der ehemalige malysische Mr. Universe, dass nicht alles Gold ist was glänzt, und die Fahrradrikschafahrer zeigen einem, dass Lichterketten und Plastikblumen deutlich mehr hermachen, als ein Mercedes Stern.

Melaka, der Ort wo sich Tukan und Schmetterling Gute Nacht sagen

Okt 26 / G&E

Die neue Hafencity

Trotz unseres ‘Multiple Entry’ Visums der Variante ‘M’, möchte die Thailändische Regierung, dass wir alle drei Monate das Land verlassen. Denkbar ist, dass diese Massnahme dazu dient den Ausländern dabei zu helfen bei der Hitze nicht in komplette Lethargie zu verfallen, und sich wenigstens alle paar Monate einmal aus ihren Deckchairs zu schälen. Vielleicht sollen damit auch die Prostituierten für ein paar Tage von den Sextouristen befreit werden, um in Ruhe ihre Quartalsabrechnungen zu machen. Oder es handelt sich um eine verdeckte Subvention für Bus- und Fluggesellschaften. Was auch immer die Gründe sein mögen, wir fügen uns, machen die Pflicht zur Kür, und entscheiden uns für einen Trip nach Singapur.

Direkt nach unserer Ankunft schaffen es die Inder uns, obwohl sie hier nur etwa 8 Prozent der Bevölkerung stellen, mit Hilfe von allerlei Hexenwerk in ihre Tempel und Restaurants zu locken. Zu allem Überfluß wird gerade das Diwali Fest gefeiert, bei dem der singapurianische Inder versucht, mit seinen zahlreichen Göttern, Lichtern und Räucherstäbchen den Eindruck zu erwecken, er wäre in der Überzahl und könne bessere Partys schmeissen als die 77 Prozent Chinesen der Stadt. Das erkennen wir an, und stellen ausserdem fest: Wer einmal Indien bereisen möchte, ohne in Kuhfladen zu treten, den ganzen Tag angestarrt zu werden, oder sich einem olfaktorischen Frontalangriff auszuliefern, dem sei an dieser Stelle Singapur wärmstens ans Herz gelegt.

Wer viele Götter hat braucht auch viel Farbe

Chai 'to go', Kali die Schreckliche, und ein praktischer kompostierbarer Räucherstäbchenhalter

Im Dschungel des Gebimmsels

Nun ist es ja so, dass der gemeine Asienreisende nicht müde wird zu behaupten, Singapur sei die langweiligste Stadt der Welt, und man könne noch nicht mal ein Kaugummi auf die Strasse spucken ohne verhaftet zu werden. Alles sei viel zu sauber, teuer und dazu auch noch undemokratisch.
Wir müssen an dieser Stelle eine Lanze brechen und die ewige Leiher der Zauderer übertönen.
A: Die Stadt bietet deutlich mehr kulturelle Veranstaltungen, als andere südostasiatische Städte. Wir besuchen zum Beispiel das ‘Singapore International Photo Festival’, und entdecken neben toller Fotos auch interessante Ausstellungsorte. Das ist ein netter Kontrast zu Bangkok, in dem die einzige Kultur das Einkaufen zu sein scheint.
B: Dreck an sich ist keine Qualität, Verkehrsstaus auch nicht, und ein öffentliches Nahverkehrsnetz was den Namen verdient (mit einem Ticketsystem was man versteht), finden wir gut.
C. Eine stadtplanerische Vision die auch Parks, Fusswege und U-Bahnen beinhaltet, ist modern.

Singapur 2.0

Der dreiarmige Bandit von Marina Bay

Seit wir vor zwei Jahren das letzte mal hier waren, hat sich an der Mündung des Singapore Rivers ein neues Stadtviertel erhoben. Hier findet sich das neue inoffizielle Wahrzeichen, das Kasino ‘Marina Bay Sands’ – drei Hoteltürme auf denen eine Art Schiff liegt. Von dieser Plattform aus hat man eine spitzenmäßige Aussicht auf die Stadt und den ‘Singapore Strait’. Der nette Boardwalk um die Bay herum ist mit seltsamen Lichtinstallationen geschmückt, und es entsteht ein neues ‘Science-Museum’ in Form einer Lotosblüte (oder eines Baseballhandschuhs). Selbstverständlich gibt es auch ein gigantisches Shopping Center, in dem man sich in einem künstlichen Kanal sogar ein paar Meter sinnlos herumrudern lassen kann. Um dem Flaneur bei seinem Luis-Vuitton-Taschen-Kauf auch ein Quäntchen Kultur mitzugeben, gibt es Kunst im öffentlichen Raum und einige kulturelle Darbietungen. Wir sehen den Auftritt einer charmanten australischen Tanztruppe namens Strange Fruit, die eine jugendfreie Art des Stangentanzes vorführt.
Alles riecht irgendwie nach Geld, aber wir sind trotzdem beeindruckt. An diesem Ort kommt uns die Hamburger Hafencity plötzlich ganz klein und provinziell vor.

The Three Belles

Nach zwei Tagen in der schönen neuen Welt besteigen wir den Luxusbus nach Melaka in Malaysia.  Das schreiende Dekor der Sessel lässt dunkle achtziger Jahre Discoerinnerungen wach werden, aber dann schaukelt uns die Massagefunktion schnell in den Schlaf und alle Gedanken an Schwarzlicht und hochtoupierte Haare verfliegen.

Voll auf dem Trip

Jan 12 / G&E

Runter vom Sofa

Spiralfritten

Eisdiele

So schön es in unserer Agentenwohnung auch ist: Der Mensch will schließlich was erleben.

Ein gerne und oft besuchtes Ziel ist der Chatuchak Weekend Market, mit seinen über 10.000 Verkaufsständen. Aufgeteilt in 26 Sektionen kann man dort vom Mopsbaby bis zum Veloursofa alles kaufen, sich danach die Füße massieren lassen und anschließend den Bauch vollschlagen.

Salzteigdrachen in Chinatown

Die Strasse der Devotionalienhändler

Bindenwaran

Diese Wesen werden bis 2 Meter lang und tummeln sich zu unserer größten Überraschung  in Bangkoks Klongs (Kanälen), wenn sie nicht gerade westliche Jogger in den Parks erschrecken. Sie werden mit Sicherheit die Menschheit überdauern, da sie es schaffen in den dreckigsten Gewässern der Welt zu überleben.

Schaulustige beobachten eine Schiffsbergung am Chao Praya

Wat Arun bei Tag

Wat Arun bei Nacht

Toast

Diese beiden Feinschmecker (Ou und Murray) stellen unsere lokale Bezugsgruppe dar und unterweisen uns geduldig in thailändischer Kulinarik. Hier anschaulich dargestellt an Bangkoks letztem lukkulischen Schrei: Dem Toast an verschiedenerlei Soße.

Reisebusse vor dem Wat Phra Kaeo

Echte und falsche Mönche

Jan 25 / G&E

Urlaub vom Urlaub 1

Nach all den Strapazen entscheiden wir uns endlich mal ein bisschen Urlaub zu machen und fahren für 4 Tage auf die kleine Insel Koh Samet. Sie ist für den Bangkoker in etwa dass, was Sylt für den Hamburger ist, nur dass die Hummerkrabben billiger sind als bei Gosch.

Dieser Hund macht Pause

'Wasserflaschen zu Lampenschirmen' und Pediküre

Feuerjongleure

Was der deutschen Fußgängerzone der “Volare” spielende Strassenmusikant ist, ist dem nächtlichen Strandleben der Feuerfackel schwenkende Teenager. Das ganze Spektakel übrigens untermalt mit den lieblichen Klängen von “Scooters” schönem Lied “Fire”.

Unsere Feriensiedlung

Unser Gartenzaun

Die kleine Meerjungfrau

Feb 4 / G&E

Urlaub vom Urlaub 2

Ayutthaya

Die erste Station auf dem Weg nach Laos ist Siams ehemalige Hauptstadt. Bei gefühlten 50 Grad fahren wir mit dem Fahrrad vorbei an gefühlten 50 Ruinen.

Kein Fahrrad sondern ein Tuk Tuk

Überall alte Steine

Wat Phu Khao Thong und seine Besucherinnen

Ich bin ein Maskottchen

Überall alte Buddahs

Der Holzpenis heißt eigentlich Lingam und ist etwas Heiliges

Mäusehecke

Kao Yai Nationalpark

Etappe zwei auf unserem Weg nach Osten ist Thailands ältester und größter Nationalpark.

Wir steigen im schlichten Greenleaf Guesthouse ab, welches eigene geführte Touren anbietet. Die Guides sind des Englischen kundig und sehen sogar von der Straße aus Schlangen im dichten Gestrüpp, die nicht größer sind als ein Verlängerungskabel und auch so ähnlich aussehen.

Die Schlangenbeschwörerin

In den Höhlen der Gegend findet sich allerleih Getier von dem hier nur Auszüge gezeigt werden, da sich die eine Hälfte der Reisegesellschaft gegen ein Übermaß an ekligen Tieren auf diesem Blog ausgesprochen hat .

Höhle nebst Bewohner

Eindrucksvollstes Erlebnis des heutigen Tages ist der abendliche Auszug von ca. 2 Millionen Fledermäusen aus ihrer Wohnhöhle. Das Spektakel dauert ungefähr eine Stunde. Jede Fledermaus kehrt übrigens bei Rückkehr an den gleichen Platz zurück. Einmal im Monat wird die Höhle von Dorfbewohnern ausgemistet und der “Fledermausguano” teuer als Dünger verkauft.

Fledermäuse tun so als wären sie Ameisen

Tag 2 im Park beginnt mit einem 3 stündigen Dschungeltrek bei dem wir kein einziges Tier sehen. Dafür sehen wir danach von der Straße aus alles was der Park zu bieten hat: Wilde Elefanten, Gibbons und den großen Hornbill. Ausserdem viele interessante Exemplare der Gattung Homo Sapiens, die bei Erscheinen eines Hornbills auf wundersame Weise mit gigantischen Objektiven aus dem Boden wachsen.

Ein wilder Elefant benutzt die Strasse

Ein wilder Elefant verschwindet

Der große Hornbill

Wo ist das Vögelchen ?

Laos: 4000 Islands

Wir überqueren die Grenze nach Laos auf dem Landweg, was folgendes bedeutet: Der VIP Bus (mit Air-Con) hält auf der thailändischen Seite, alle steigen aus und zeigen dem thailändischen Grenzer ihren Pass. Der Weg hinter der Kontrolle verzweigt sich in ein unbeschildertes Niemandsland, was an die Sammelstelle für Gartenabfälle einer Schrebergartensiedlung erinnert. Man findet schließlich das laotische Grenzhäuschen, zahlt 30 Dollar obwohl am Häuschen 15 steht, gibt ein Passbild ab – oder auch nicht – stellt sich in eine andere Schlange (hofft das es die richtige ist), um sehr viel später den Pass wieder entgegen zu nehmen. Man denkt wehmütig an Ostdeutschland, und steigt in Laos wieder in den Bus.

Sauber Abhängen

An der Grenze zu Kambodscha

Blinde Kuh

Am Südzipfel von Laos befinden sich die sogenannten 4000 Islands. Dort wird der Mekong 16 km breit und besonders zur Trockenzeit tauchen neben den größeren Inseln unzählige Sandbänke auf – vielleicht sind es 4000. Obwohl wir es nicht zu hoffen wagen, sehen wir bei einem Ausflug tatsächlich Irrawaddy Delfine – einige der letzten ihrer Art. Die Population ist auf unter 50 Exemplare gesunken und wird sich vermutlich nicht mehr erholen. Die roten Khmer haben nicht nur ihr halbes Volk ausgerottet, sondern auch alle Delfine die sie in die Finger bekamen, um dem Volk den Aberglauben auszutreiben, dass es sich dabei um wiedergeborene Menschen  handelt.

Die Fischer von der Insel Don Khon verdienen sich inzwischen ein Zubrot, in dem sie Langnasen zu dem Tummelplatz der Delfine schippern.

Dolphin Watching

Das Bolaven Plateau

Die angenehmste Art in Südostasien zu Reisen ist ja bekanntlich das Moped. Wir mieten uns für 5 Tage eins und fahren eine Runde um das Bolaven Plateau, wenn man so will das “Alte Land” von Südlaos. Wir erhoffen uns angenehme Frische ob der bergigen Lage, haben aber das Gefühl dass uns auf dem Moped ständig ein heisser Fön in Gesicht bläst. Wir passieren unzählige Dörfer mit Millionen kleiner Kinder und bestaunen Hochbeete aus Reifen, Waffenreste der Amerikaner die zu Blumentopfständern wurden, und den einen oder anderen Wasserfall.

Hells Angels

Hochbeete

Hunderegale / Regalhunde

Golden Fruit Drinks und Hängebrücke

Elefanten baden

Wum und Wendelin

Tad Lo

Wir übernachten in einer Stadt namens Sekong die sich, obwohl Vietnam noch ein paar Kilometer entfernt ist, anfühlt wie eine Grenzstadt. Es weht ein mafiöser Unterton durch die Strassen und wir teilen uns das Restaurant mit ranghohen Militärs und ihren Miezen, die von jungen Soldaten mit Kalaschnikows beschützt werden. Wir kommen lebend raus und übernachten in einem seltsamen Hotel, in dem sehr betrunkene Laoten sehr laut Karaoke singen.

SUV Waschung am Sekong River

Das schönste, wengleich anstrengendste Stück ist eine 70 km lange Sandpiste die auf den letzten 15 km einmal geteert war, aber inzwischen so von Schlaglöchern übersäht ist, dass man sich wie die Stahlkugel in dem Geschicklichkeitsspiel Spiel Labyrinth bewegen muss.

Vietnamkrieg und Schlaglöcher

Hühnertransport

Gabriele am Tad Yuang Wasserfall

Wat Phu

Das Bolaven Plateau entlässt uns einen Tag eher als geplant und wir besuchen die ‘World Heritage Site” Wat Phu. Einen am Hang gebauten Tempel aus der Khmer Zeit (6.-8. Jahrhundert). Die Fahrt ist der halbe Spaß und auf dem Rückweg nehmen wir die “3-Moped-Fähre”, auf der der Fährmann einem genau sagt wo man zu stehen hat, um einer Havarie vorzubeugen.

Autofähre am Mekong - Hin

Wat Phu

Mopedfähre am Mekong - Zurück

Flaniermeile in der Stadt Pakse

Der große Fitnessgeräte Test

Im Nachtzug zweiter Klasse zurück nach Bangkok

Mrz 5 / G&E

Neues aus Amphawa

Hurra - wir fahrn' nach Amphawa

Die kleine Stadt Amphawa liegt etwa 80 Kilometer westlich von Bangkok am Ufer des Flusses Mae Klong. Am Wochenende findet hier ein schwimmender Markt statt, auf dem sich der stadtmüde Bangkoker Twen tummelt und sich von Boot zu Boot futtert.

Wir entscheiden uns um hinzukommen für die romantische Variante und nehmen einen kleinen rumpeligen Zug der von einem ‘urigen’ Minibahnhof im Westen Bangkoks aus startet. Er fährt dabei so nah an den Marktständen und Häusern vorbei, dass man den Leuten die Reisschalen vom Wohnzimmertisch klauen kann. Auf der Mitte der Strecke liegt ungünstigerweise ein Fluss, also: Raus aus Zug 1, rauf auf die Fähre, rein in Zug 2.

Wir brauchen für die 80 Kilometer knappe 4 Stunden und es bestätigt sich erneut das Sprichwort: Der Weg ist das Ziel.

Die netten Nachbarinnen

Da es keine Hotels gibt kommen wir im “Homestay” von Mr. Fon unter, der kein Englisch spricht, uns aber netterweise mit seinem blauem Plastikkanu durch die Kanäle rudert und dabei geschätzten 100 Bekannten am Ufer erklärt dass es sich bei uns um “yoeraman farangs” handelt. Für uns ist der Ort die Attraktion – für den Ort sind wir es. Es haben also alle was davon.

Am Abend brauchen wir einige Zeit um aus dem Werben der Bootsführer – wot fei flei – den Satz “watch fire fly” zu extrahieren und nehmen das Motorboot um uns die große Attraktion des Ortes anzuschauen: Glühwürmchen. Für ein Foto haben sie zu wenig Watt.

Aug in Aug mit der Flusskrabbe

Grillieren auf dem Wasser

Die schwimmende Nudelsuppe

Vergiss Venedig

MS 'Immeressen'

Die blaue Stunde

Mr. Fon hat leider nur Vakanzen für eine Nacht, so dass wir am Samstag in eine andere liebevoll dekorierte Pension wechseln. Wir bezahlen nicht stundenweise sondern für die ganze Nacht.

Möpse und Fische

Drei Marktfrauen auf drei Booten

Der eigentliche Grund unseres Ausflugs ist der schwimmende Markt in einem Kaff namens Tha Ka, der wegen der Tide nur 6 mal im Monat stattfindet. Wir wollen mit dem Boot hinfahren, finden aber nur EIN Mopedtaxi. Ausnahmsweise fährt uns der Fahrer äußerst besonnen an endlosen Kokospalmen und Obstplantagen vorbei. Es ist alles sehr pittoresk. Weil der Markt sehr klein ist und Touristen selten einen Sack grüne Bohnen kaufen wollen, bleiben wir touristisch gesehen unter uns.

Wo die wilden Kerle wohnen

Unglaublich: Gabriele fängt Osama Bin Laden

Dem Buddha sein Knie und Mönche aus Wachs

Mrz 14 / G&E

Fliegende Bauten

Das große internationale Drachenfestival

Weil sich in Bangkok-City die Red-Shirts zur Demonstration zusammenrotten, und es auch schon wieder Zeit für einen Ausflug ist, steigen wir in den Bummelzug nach Hua Hin. Vier Stunden später, die durch die Gitarrendarbietungen freudig erregter Teenager bereichert werden, erreichen wir unser Ziel: Das grosse internationale Drachenfestival. Wir sehen Teilnehmer aller Herren Länder und jede Nation hat ihren eigenen Stil. Die Amerikaner haben wie immer den Grössten – klar, wer auch sonst?

Wir wissen jetzt: Der größte Pandabär der Welt ist ein Amerikaner ...

...was der Tintenfisch mit der Katze zu tun hat, verstehen wir nicht so genau...

... aber Hauptsache schön bunt...

...und ordentlich viel

Mittlerweile haben wir auch den besonderen Charme der Gegend kennengelernt: Der europäische Rentner, gerne aus Skandinavien, haut an der Küste um Hua Hin seine Rente auf den Kopf. Weisse Socken in Sandalen und praktische Kurzhaarfrisuren bestimmen deshalb das Bild.

Die Kingprawns schmecken uns trotzdem.

Costa Brava light

Der große internationale Kitesurf-Weltpokal

Die Weltspitze der Kitesurfer bildet sowohl körperlich, als auch durch den unermüdlichen Einsatz auf dem Brett, eine angenehme Abwechslung zu all den (sehr) dicken Touristen.

Um diesem Schicksal zu entgehen, integrieren wir uns durch ein geschicktes Leihmanöver eines “Heineken” Kites, kurzfristig in das Geschehen und überlassen das gleichnamige Bier dem 150 Kilo Wikinger auf der Nachbarliege.

Hirsch rollt das internationale Feld von hinten auf...

...dem Thai Cowboy ist es egal, denn er weiß...

...Hirsche können garnicht fliegen...

...Drachen tun es manchmal...

...und Flaggen können nicht anders

Apr 1 / G&E

Eine Insel mit zwei Bergen

Sairee Beach

Um der Hitze Bangkoks zu entkommen bleibt uns nur eine Wahl: Abtauchen

Wir machen uns also mit riesigem Tauchgepäck auf die Socken nach Koh Tao, einer Insel im Golf von Thailand, die als DER Tauchspot Südostasiens gilt. Das zeigt sich auch schon durch die riesige Anzahl von Tauchschulen von denen es fast 50 Stück gibt. Wir entscheiden uns für die mittelgroßen Seashell Divers von denen es heißt, sie seien einigermaßen umweltbewußt.

Es zeigt sich, dass wir die einzigen Deppen sind die mit eigenem Tauchequipment anreisen. Die meisten Touristen sind Anfänger, die hier ihren Tauchschein machen. Auch deshalb ist die Insel ein Gegenentwurf zu Hua Hin und wir heben den Altersdurchschnitt unter den sonnengebräunten, athletischen und stets tätowierten Rucksacktouristen deutlich an.

Das Tauchen ist einfach und entspannt, denn es herrscht so gut wie keine Strömung. Wir sind von anderen Tauchrevieren bessere Sicht gewöhnt, haben aber dennoch unseren Spaß. Unser “Divemaster” Rachel ist eine Frohnatur mit voll ausgeprägtem Hang zum englischen Humor und unterhält uns auch über Wasser prächtig.

Leider fällt die männliche Hälfte unseres “Buddyteams” nach den ersten drei Tagen wegen Ohrenentzündung aus und erkundet die Insel mit dem Moped, was nötig wird, weil man es bei diesen Temperaturen nur unter Wasser oder bei Fahrtwind aushält. Die weibliche Hälfte taucht weiter, kommt einer Seeanemone zu nahe und wird dafür zurecht mit einem Haufen Brandblasen am Bein bestraft.
Beide Blessuren sind zur Stunde noch nicht ausgeheilt.

Tauchen benebelt die Sinne und der Stickstoff in unserem Gehirn veranlasst uns dazu die Insel einen Tag zu früh zu verlassen. Das merken wir allerdings erst als wir unseren Nachtzug betreten, denn unsere Betten sind schon belegt. Wir machen das Beste draus und schauen uns am nächsten Tag die Gegend um die Stadt Chumpon an.

Tauchen macht lustig

Soldatenfische

Fischsuppe, Unterwassernacktschnecken und Weihnachtsbaumwürmer

Clownfisch in seiner Anemone

Rotbrust-Prachtlippfisch

Seefeder und Vonvornefisch

Junger Kofferfisch, genannt Cyril

Mensch, genannt Gabriele

Kokospalme und Schaukel

Apr 10 / G&E

Red Shirts

Die Shirts der "Red Shirts"

Die Welt besteht bekanntlich nicht nur aus Stränden und Früchtedrinks und während wir uns auf Koh Tao die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, spitzt sich die politische Lage in Bangkok zu.

Seit Anfang März demonstrieren die sogenannten “Red Shirts” um das Parlament zu Neuwahlen und den amtierenden Premier zur Resignitation zu zwingen. Für uns ist die Sache ziemlich undurchschaubar. Von Außen betrachtet wehren sich die Unterpriviligierten und zumeist ländlichen Bürger gegen das von Eliten durchdrungene Staatsgefüge. Der durch einen Miitärputsch abgesetzte Ex Premier Thaksin zieht im Hintergrund die Fäden und man wäre geneigt mit den Red Shirts zu symphatisieren, hätte Thaksin sich selbst nicht während seiner Amtszeit die Taschen vollgestopft.

Kurz bevor wir zum Tauchen aufbrechen, gleicht der Protest noch eher einem Volksfest. Trotz der klaren politischen Forderungen scheint man nett miteinander umzugehen. Die Fotos haben wir am 29. März im Camp der Red Shirts nahe der Kao San Road gemacht und uns dabei nicht unwohl gefühlt.

Gestern nun hat es gewaltig gekracht mit vielen Toten und Verletzten und keiner weiß wie die Sache ausgeht, aber unsere ruhige Wohngegend liegt weit genug vom Ärger entfernt, als dass man davon direkt was mitbekäme. Gestern Nacht sind sämtliche Nahverkehrsmittel stillgelegt worden und die Militärpräsenz ist deutlich sichtbar. Wir sind also indirekt betroffen und es fühlt sich alles seltsam an, Angst haben wir bisher aber nicht.

Motorradtaxifahrer lauscht der Kundgebung

Erdnüsse mit Botschaft

"Das geht uns auf die Eier"

Thaksin-Devotionalien und Demonstranten

Der Mann im Hintergrund

Apr 13 / G&E

Songkran

Wir schreiben das Jahr 2554 und heute wird Neujahr gefeiert. Buddha ist nämlich schon viel älter als Jesus.

Wo der Deutsche versucht die bösen Geister mit Chinaböllern zu vertreiben, wäscht sich der Thai für einen vernünftigen Start ins neue Jahr einfach alles Schlechte vom Leib – genau genommen läßt er waschen. Damit es richtig lustig wird, beschmiert man sich gegenseitig zusätzlich mit einer Art Talkumschmiere und das ohne Rücksicht auf Verluste.

Wer auf die Strasse geht (oder auf ihr fährt) wird nass gemacht. Möchte man trocken bleiben, sollte man sich drei Tage einschließen, oder Urlaub in Deutschland machen. Der songkrankundige Mensch sieht zu, dass alles was Schaden nehmen könnte wasserdicht verpackt wird. Wir nennen ab heute Plastik-Brustbeutel mit der schönen Aufschrift “Save World Life” unser eigen. Ausländer die sich mit den thailändischen Gepflogenheiten im Vorwege unzureichend vertraut gemacht haben, können wir mit den Worten: “Don’t aim at the camera you fucking idiot – it’s electronic” zitieren.
Wir hingegen sagen: “Tough shit stupid farang”.

Tuk Tuk under Fire

Gut, dass die Sitze aus Plastik sind

Der Ausnahmezustand vom Ausnahmezustand

Farang! Farang! Farang!

Obwohl wegen des Ausnahmezustands in Bangkok alle offiziellen Feiern abgesagt sind, beobachten wir dass sich an mehreren Stellen der Stadt mehr als fünf Personen auf einmal zusammenrotten. Wir bekommen unsere erste Taufe auf der Strasse Chok Chai 4, die so weit vom Zentrum entfernt ist, dass der Ausländeranteil gen null geht. Die Folge ist, dass der sonst eher schüchterne Thai (mit lautem “FARANG!” Gebrüll) jede Gelegenheit ergreift, den paar Weißen endlich mal eine anständige Dusche zu verpassen und ihnen reichlich Schlamm im Gesicht zu verteilen. Bevorzugt natürlich den Damen.
Grundsätzlich gehen die Thais aber auch hier einigermaßen behutsam zu Werke, sieht man einmal von den hinterhältigen Angriffen mit Eiswasser ab.

Wege zum Glück

Guerillas haben Schwein

In diesem Platoon versuchen wir uns zu behaupten – trotz Pumpguns mit mäßigem Erfolg.

Auf dem Heimweg nehmen wir erschöpft den Bus ohne Air Condition, dessen Hauptmerkmal offene Türen und Fenster sind. Wir merken an dieser Stelle, dass auch der öffentliche Personennahverkehr in die Feierlichkeiten mit einbezogen wird. Hält der Bus, wird vom Bordstein aus eimerweise Wasser reingeschleudert. Die beiden gutgekleideten Damen vor uns verziehen keine Miene, bitten den Schaffner wenn möglich die Türen zu schließen und verziehen sich triefend auf die letzten trockenen Plätze. Wir dagegen bleiben einfach nur sitzen…

Fertig

Mai 5 / G&E

Einmal Royalist sein

Heute feiern wir das sechzigjährige Krohnjubiläum unseres gastgebenden Königs Bhumipol. Er ist in Wirklichkeit schon vierundsechzig Jahre König. Das ist länger als die meisten von sich behaupten können! Mit 35 Milliarden auf der hohen Kante ist er auch der reichste Monarch der Welt, deswegen hat er gestern für uns auch eine tolle Party geschmissen.
Die Thais lieben ihren König und sie lieben die Dekoration und beide Leidenschaften erreichen an diesem Abend einen gemeinsamen Höhepunkt. Was die Thais allerdings am meisten lieben sind Strassenstände, und so säumen hunderte davon den breiten Boulevard der auf die Thronhalle zuführt. Dazwischen singen die Howard Carpendales Thailands ihr Lied und auf unzähligen Fotos wird das Leben des Königspaares zelebriert – für die Thais ein toller Anlass sich mal wieder mit ihrem König fotografieren zu lassen.

Der Gekrönte mit Gattin Sirikit

Ist der Helm zu klein oder der Kopf zu groß?

Der König, das Volk und die Plastikblume

Obwohl ja offiziell immer noch Ausnahmezustand herrscht, läuft der Finanzminister mit seinen Ministerkollegen völlig entspannt durch die Menge an uns vorbei, um vor dem Feuerwerk noch ein paar nette Worte über den König zu verlieren. Wir bekommen von unseren Nachbarn Kerzen und Fähnchen geschenkt, freuen uns und versuchen die Nationalhymne mitzusummen. Da wird auch der letzte Republikaner mal kurz sentimental.

Raketen der Leidenschaft

Galaxien über Bangok

Lächeln für den König

Nach dem Feuerwerk erscheinen endlich die uns versprochenen Elefanten um die große Parade der thailändischen Provinzen anzuführen. Wir staunen über die nicht vorhandenen Absperrungen und lassen die weiss getünchten* Dickhäuter in Armeslänge an uns vorbei stapfen. Das Volk ist begeistert, wir sind es auch.

*Weisse Elefanten sind heilig. Dieser trägt Make Up (siehe "Songkran")

Bhudda an Bord

Alaaf und Helau auf Thailändisch

Hier zählt eine originelle Kopfbedeckung

Der König kann das Fest leider nur auf dem Fernseher seines Krankenhauszimmers verfolgen. Weil er einen rosa Anzug trug, als er das letzte Mal aus dem Krankenhaus entlassen wurde, gilt seither rosa als Farbe der königlichen Genesung. Wir freuen uns am ersten der fünf feierlichen Tage dabei zu sein, schauen auf unsere rosa T-Shirts und wünschen dem König gute Besserung.

Mai 27 / G&E

Im tiefen Tal der Superzipfel

Die dritte Etappe unserer Chinareise führt uns in den Süden in die Provinz Guangxi, wo wir uns zuerst die berühmten Reisterassen von Ping’An ansehen wollen. Bei Ankunft regnet es, aber wie es sich für erfahrende Reisende gehört haben wir selbstverständlich unsere vietnamesischen Regencapes dabei. Man sieht jedoch wegen erhöhtem Wolkenaufkommen absolut nichts, weder mit noch ohne Cape. Glücklicherweise haben die Chinesen für diesen Fall vorgesorgt und wie immer den passenden Fotohintergrund zur Hand, so dass wir genau wissen wie es bei gutem Wetter aussehen könnte.

Wie Sie sehen sehen Sie nichts

Chinesische Nebelkatze

Das Hotel ist klein und angenehm und wir verbringen den ganzen Tag damit der Hotelkatze Geschichten vorzulesen. Am Nachmittag gibt es dann tatsächlich einen zehnminütigen Durchbruch und wir sehen, wenn auch nur kurz: Die Reisterassen!

Longji Reisterrasse

Bei einer kleinen Wanderung durchs Dorf kommen uns allerlei Träger mit verschiedenen Lasten entgegen.  Neben dem Gepäck der Touristen, Baumaterial und frisch geerntetem Gemüse, passieren wir mehrere Schweine und Kälber, die beim großen Dorf-Schlachtfest ihrem Schöpfer ins Auge sehen werden.
Eine der Spezialitäten dieser Region sind im Bambusrohr gegarte Gerichte. Wir entscheiden uns für das Bamboo Chicken und stellen mal wieder fest, dass die Sozialisation einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Geschmack hat. Die Chinesen finden Hühnerbrust zum Beispiel wahnsinnig langweilig und fühlen sich betrogen und unterfordert, wenn sie nicht auf den Hühnerteilen herumgnurpseln und die Knochensplitter auf den Tisch spucken können.
Als sich der Tag dem Ende neigt, zeigt sich, dass die chinesische Vorliebe zu ausgefeiltester und modernster Beleuchtungstechnik auch vor alten Holzhäusern nicht halt macht.

Kopfüber in die Katastrophe

Beim Bamboo Chicken hebt man das Beste immer bis zum Schluss auf

Mehr Spaß durch Lichterketten

Der Regen begleitet uns zurück ins Tal nach Yangshuo, wo wir uns auf einem Floß den Yulong River zu unserem nächsten Hotel entlangschippern lassen. Das Yangshou Mountain Retreat ist das erste wirklich schöne Hotel auf unserem Weg und es überrascht uns nicht, dass es von einem Amerikaner geführt wird. Die meisten chinesischen Hotels gleichen eher Plattenbauten mit Messingapplikationen. Unsere Sozialisation macht sich eben nicht nur bei Hühnerfüssen sondern auch bei Unterkünften bemerkbar. Hier sitzen wir den Regen auf unserem Balkon aus und erwachen am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein.

Wir schnappen uns zwei Hotelfahrräder und radeln munter durch die imposante Landschaft. Auf halber Strecke merken wir, dass uns ein mopedfahrender Chinese folgt und wie zufällig an den einsamsten Stellen aus dem Unterholz auftaucht. Wir denken: Strassenräuber! und schliessen uns bei der erstbesten Gelegenheit einem englischen Pärchen an, die hinter einer fahrradschiebenden Chinesin durch den Reis stapfen. Es stellt sich heraus, dass wir nicht etwa Opfer eines Kidnappings werden sollen, sondern sowohl Fahrradschieberin als auch Mopedfahrer daran interessiert sind, uns auf ihren jeweiligen Bambusflößen zurückzutransportieren. Erleichtert sagen wir nein und wählen für den Rückweg  die andere Seite des Flusses, die uns trotz Mountainbikes einiges abverlangt.

Auf dem Bambusfloß ins Ungewisse

Hier sieht man ungefähr 20 von den ungefähr 30000 Zipfeln

Das Verkehrschaos ist dem Kormoran egal – er interessiert sich nur für Fisch

Tiere an der Promenade

Dieses Mädchen sieht zwischen Mao und Fashion TV nicht den geringsten Widerspruch

Verborgen im Zipfel: Die Drachenhöhle

Yangshuo

Den letzten Tag verbringen wir in der Stadt Guilin, in der wir wieder in einem der Chinesischen Hotelbunker nächtigen. Wieder regnet es ein bisschen und wir entscheiden uns für den Zoo. Hier residieren die berühmten “Olympic Pandas” Meixin und Fengyi, die zur Olympiade 2009 als Maskottchen herhalten mussten. Wie nicht anders zu erwarten schlafen sie bei unserem Besuch. Dafür sind die roten Pandas im Nachbargehege sehr aktiv und auch recht niedlich. Nach einem abendlichen Spaziergang bei romantischer Beleuchtung, bekommt Guilin von uns die Maximalbewertung: 5 rote Sterne mit Goldrand.
Der folgende Tag hält durch den Erwerb von vier Powersaugnäpfen noch ein echtes Shoppinghighlight bereit, und wir machen uns zufrieden und nicht im Airbus A380 auf den Rückweg nach Bangkok.

Ballons und Torten allerorten

Müde Pandas, wache Pandas

Unglaublich aber war, der praktische Drehsaugnapf mit justierbarer Aufhängevorrichtung

Die Brücke als Lampe

Ab durch die Mitte
Mai 16 / G&E

In China essen sie den Mond*

Die 5 magischen Insignien der Macht

Die Situation in Bangkok wird brenzlig und wir machen uns auf den Weg nach Shanghai um unsere Freunde Herrn und Frau Collee zu besuchen. Eigentlich werden wir zum Champagner erwartet, erfahren aber am Flughafen, dass unser Flug gestrichen ist. In der Stadt wird es allmählich so ungemütlich, dass man uns davon abrät wieder zurückzufahren. Wir werden in einem Flughafenhotel zwischengeparkt und erreichen erst am nächsten Morgen um 7 Uhr das Haus unserer Gastgeber.
Dort bekommen wir ein 1A deutsches Frühstück aus dem legendären ‘City-Shop’ serviert, und haben kein Problem damit Shanghai erstmal draußen vor der Tür zu lassen. Nach fünf Monaten in der Fremde tut es gut mit Freunden mal wieder ein bisschen auf Deutsch zu plaudern.
Wir merken an unserem gemütlichen Gästezimmer, den bereitgestellten Fahrrädern und den hervorragend ausgearbeiteten Tourvorschlägen, dass wir nicht die ersten Gäste im Hause Collee sind.
*Übrigens: Der Titel dieses Eintrags ist von Miriam Collees gleichnamigen Buchs geliehen.

Frühstück in der Villa Collee

Auf unseren Streifzügen durch die Stadt fällt uns auf, dass Shanghai seit wir 2004 das letzte Mal hier waren ziemlich aufgehübscht wurde – vor allem wohl wegen der Expo.
Die Vorteile des Einparteiensystems und der Erziehungsauftrag der Regierung liegen auf der Hand: Man kann über Nacht mal schnell 20.000 neue Bäume pflanzen. Man kann den Bürgern das Schlafanzugtragen und das Drängeln und Spucken in der Öffentlichkeit untersagen. Man kann den Geschäften die gefälschte DVD’S, Uhren und Handtaschen verkaufen, auftragen eine Rigipswand in ihr Geschäft einzuziehen und diese Waren hinter einer versteckten Tür feilzubieten. Man kann den Bürgern sogar nahe legen freundlicher zu Ausländern zu sein und öfter mal zu lächeln. Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich!
Böse Zungen behaupten allerdings, nach der Expo sei vor der Expo und dass aus der Schlange wieder ein drängeliger Pulk werden wird. Das ist uns egal, denn da sind wir ja dann schon wieder weg. Was sich sicher nicht ändern wird, sind die tollen Fahrradwege auf den Strassen und die vielen Elektromopeds die in der Stadt unterwegs sind. Vor diesem Hintergrund sind alle selbstzufriedenen Behauptungen deutscher Großstädte sie würden eine fortschrittliche und ökologische Verkehrsplanung vorantreiben, arrogant, dumm und lächerlich.

Mit dem Klapprad durch den Buchstabenwald

Der Mercedes und sein Chauffeur

Auf der Spitze des dritthöchsten Hauses der Welt

Schaffe schaffe Häusle baue

Wo wir schonmal hier sind, besuchen wir natürlich auch die Expo 2010. Unser Chauffeur Fang (eigentlich ist er nur von den Collees ausgeliehen) bringt uns zum Eingang, wo geschätzte 5000 Sicherheitskräfte für uns Spalier stehen. Das Gelände ist gigantisch; mehr als dreimal so groß wie damals in Hannover. Die Ausmaße und lange Wartezeiten vor den Pavillions machen es unmöglich alles zu sehen. Wir entscheiden also nach Länge der jeweiligen Schlange und landen als erstes im Shanghai Corporate Pavilion. Dort erklärt uns eine bunt geschminkte Fee, wie toll die Zukunft wird. Das Motto der Expo lautet schliesslich: Better City, Better Life
Da wir Prioritäten setzen müssen, lassen wir verlockende Angebote wie den Coca Cola Pavilion oder den Oil Pavilion links liegen und überqueren den Fluß um uns den Länderpavillions zu widmen. Wir stoßen zunächst auf den japanischen Pavillion, der angeblich einer Seidenraupe nachempfunden ist und von Robotern nur so wimmeln soll. Die Schlange aber ist so lang wie zur Rush Hour in der Tokioter U-Bahn und wir wählen zuerst die bescheideneren Ausstellungsräume der angrenzenden Schwellenländer: Vietnam, Laos, Burma und natürlich Nord-Korea, was uns mit dem Eingangs-Slogan “Paradise for the People” sofort überzeugt. Auch würdigen wir Syrien, Afghanistan, Kasachstan uä., die alle entweder so aussehen wie der Teppichstand auf dem Eimsbüttler Wochenmarkt, oder wie in der Reiseecke bei ‘Du und deine Welt’.
Je später der Abend, desto kürzer die Schlangen, so dass wir es doch noch schaffen ein paar Highlights von innen zu sehen. Ganz vorne mit dabei: Holland mit der “Happy Street”, einer lustigen Rampe an die Häuser mit humorvoll-selbstironischen niederländischen Errungenschaften geklebt sind, und Groß-Britannien mit einer begehbaren überdimensionalen Samenkapsel, die aus tausenden von Acrylstäben besteht in die echte Pflanzensamen eingegossen sind. Die Gastgeber punkten mit einer roten eiffelturmgroßen umgedrehten Pyramidenpagode, deren Besuch vermutlich das Zeitkontingent eines ganzen Tages verschlingen würde. Weit abgeschlagen dagegen Deutschland, mit einem Beitrag der aussieht wie ein überdimensionales Tarnkappen U-Boot. Aber immerhin haben wir den Grand Prix gewonnen.

Die innere Sicherheit

Japanische Raupe und wir mit Haibao welches das Maskottchen der Expo und nicht von Colgate ist

Feenstaub und große Räume

Impressionen aus der Wüste

Ist es nur die Hitze?

Happy Street

Abends bei den Briten

Mai 18 / G&E

Hoch auf den Gelben Bergen

Für unseren Trip zum Huangshan entscheiden wir uns zum ersten Mal in unserem Reiseleben für eine organisierte Tour, inklusive eigenem Guide und Fahrer. Die gelben Berge sind die ideal-typischen chinesischen Berge und von Millionen chinesischer Maler in Abermillionen chinesischer Tuschezeichnungen verewigt worden – nur gelb sind sie nicht. Wir erfahren später, dass sie nach einem berühmten Herrscher benannt wurden, der Herr Gelb hieß. Hinauf bringt uns die neue Seilbahn der Firma Doppelmayer, einem Qualitätsprodukt aus unserem Bruderland Österreich, welches manchem aus dem Skiurlaub bekannt sein dürfte.

Mit Alpiner Technik ganz nach oben

Mit Deng auf dem Gipfel

Auf dem Berg gibt es zwei Hotels chinesischen Stils. Die Architektur ist gewohnt zweckmäßig und in unserem Speisesaal gibt es ein deutliches Indiz dafür, dass es nur wenige Individualtouristen hierher verschlägt: Es gibt nur einen einzigen Zweiertisch.
Weil sich James Cameron für seinen dämlichen Film (wir sagen es schnell nochmal) Avatar von diesen Bergen hat inspirieren lassen, untertiteln die Chinesen das Bergmassiv jetzt mit dem Namen “Avatar Berge”. Es könnte also sein, dass bald mehr als nur ein Zweiertisch im Speisesaal stehen wird.
Die Vorzüge mit persönlichem Guide zu reisen liegen unter anderem darin, seine kulinarischen Wünsche übersetzt zu bekommen. Wir bestellen Huhn und Gemüse mit Cola und Bier. Für die nächsten vier Tage bestellt unser freundlicher Reiseführer also präventiv sowohl Mittags als auch Abends: Huhn und Gemüse mit Cola und Bier.
An dieser Stelle ist es Zeit eine Lanze für die asiatische Art des Reisens zu brechen: A. Je mehr Esser desto verschiedener die Gerichte. B. Je mehr Mitreisende die man fotografieren kann, desto weniger die Notwendigkeit die Berge zu fotografieren.
Unser chinesischer Guide ist sogar in der Lage das asiatische Reisen ethnisch zu unterteilen:
- Die Chinesen mögen es laut, eng und heiß. Je mehr Menschen auf einem Haufen desto größer der Spaß. Arme erholungssuchende Individualtouristen sind arme einsame Wichte.
- Die ABC Chinesen (American Born Chinese) bilden in dieser Hinsicht eher einen Hybriden zwischen Ost und West und reisen aus logistischen Gründen in kleineren Gruppen.
- Die Koreaner erkennt man an ihrer farbenfrohen Mount Everest-tauglichen Hi Tech Ausrüstung, mit der sie die befestigten Betonwege des Huangshan spielend meistern.
- Die Malaysier reisen in Gruppen nicht unter vierzig Personen und suchen immer ein Klo.
- Die Indonesier schliesslich, lassen sich in der Sänfte den Berg hinauftragen, bleiben für die gesamte Dauer des Besuchs auf ihrem Hotelzimmer, und schauen sich das Bergpanorama später auf DVD an.

Wo ein Chinese ist, sind noch 1000 hinter der Tapete

Eine kleine Beobachtung zum chinesischen Wesen: Da es bei einem Volk von 1,4 Milliarden Menschen nicht geboten scheint sich zu lange mit Höflichkeiten aufzuhalten, da man sonst vielleicht zu kurz kommt, haben die Chinesen die Disziplin des Vordrängelns zur Meisterschaft gebracht. Im Drängelranking nehmen wiederum Frauen ab 50 Jahre aufwärts die vorderen Plätze ein, können aber im Notfall durch kurzes deutsches Bellen in ein kurzes verblüfftes Erstarren versetzt werden.

Schwindel verboten

Die drei Fragezeichen

Schlößer der Liebe

Ein romantischer Brauch junger chinesischer Paare ist es, die Namen der Liebenden in Vorhängeschlößer gravieren zu lassen und diese dann an den  Absperrketten besonders spektakulärer Aussichtspunkte zu befestigen. Die Schlüssel werden dann in die Schlucht geworfen, auf das die Liebe ewig halte.

Xidi Village

Der Hammer

Der Besuch im Xidi Ancient Village, welches die Unesco der Weltkultur vererbt hat – und für manche vielleicht noch wichtiger – welches den Hintergrund für den Film “Crouching Tiger, Hidden Dragon” lieferte, lässt unsere Füße schmerzen. Hier kann nur die Fußmassage Abhilfe schaffen und wir beobachten erstaunt, wie gegen Ende der Prozedur aus einem kleinen Werkzeugkasten zwei Hämmerchen auftauchen um in Trommelwirbelgeschwindigkeit auf unsere Beine niedergebracht zu werden.
Derartig gestählt schauen wir uns Tunxi Ancient Street an, eine Strasse die so aussieht als wäre sie sehr alt. Unser Guide erklärt uns, dass die Häuser immer wieder erneuert würden, besteht aber trotzdem darauf, dass alles original alt sei. Chinesen sehen darin absolut keinen Widerspruch, denn es sind ja die gleichen Häuser, auch wenn die Steine und das Holz jetzt eben neu sind.

Grüner Tee in Tunxi

Die alte neue Ancient Street

Bevor wir wieder ins Flugzeug steigen, zeigt uns unser Guide noch das Museum, in dem sich hinter drei ungepflegten Ausstellungsräumen plötzlich ein riesiges Labyrinth sehr teurer Souvenirläden anschliesst. Wir beobachten aus dem Augenwinkel wie der Guide auf die Provision der von uns zu erwerbenen hinterglasbemalten Schnupftabakphiolen und Jadeanhänger spekuliert. In diesem Moment ist es uns endgültig klar: Dieses war die erste und letzte Reise mit Führer.

Jun 18 / G&E

Die Ruhe nach dem Sturm

Kurz vor unserer Chinareise kommen wir an der Shoppingmeile Ratchaprasong vorbei, die von den Red Shirts inzwischen komplett abgeriegelt ist. Trotz angespitzter Bambusstäbe und benzingetränkter Reifenbarrikaden, kann man als Tourist noch immer durch die Absperrungen wandern. Unmittelbar vor unserem Abflug entscheidet das “Centre for the Resolution of the Emergency Situation”  das Gebiet nach zweimonatiger Belagerung, von der Armee räumen zu lassen.

13.05.2010

Als wir zurückkommen liegen Teile der Innenstadt in Schutt und Asche. Nicht nur das Shoppingcenter “Zen” mit unserem Lieblings-Foodcourt, sondern das schöne altes Kino “Siam Theatre” in dem wir manchen Blockbuster gesehen haben, sind nach der Kapitulation der Red Shirt Anführer von wütenden Demonstranten niedergebrannt worden. In den Auseinandersetzungen sterben 85 Menschen und über 1400 werden verletzt.

04.06.2010

04.06.2010

Bangkok fängt langsam an die Schäden zu beseitigen. Obwohl die Demonstranten erst einmal in die Provinzen zurückgekehrt sind, sind die strukturellen Probleme sicher nicht gelöst. Die Regierung versucht mit einer “Reconciliation Roadmap” das Volk zu versöhnen und irgendwann gibt es vielleicht Neuwahlen. Wir bleiben gespannt…

18.06.2010

Jul 20 / G&E

Der Weg zur S-Bahn

Wenn wir die 400 Meter von unserem Apartment zum Skytrain laufen kommen wir an drei riesigen Bürotürmen vorbei. Dort arbeiten ungefähr hunderttausend Frauen zwischen 20 und 30 in adretten kurzen Röcken und netten Blousons. Obwohl sie sehr schlank sind, brauchen sie Frühstück, Mittagessen und manchmal auch Abendbrot. Und all die anderen Dinge, die das Leben lebenswert machen.
Zahlreiche Strassenstände versorgen diese Büro-Armarda täglich ausser Montags, da gibt es ein Strassenstandverbot. Wir profitieren erheblich von dieser Meile der Ich-AG’s, und kaufen täglich frisch geschnittenes Obst, Salat und selten auch mal eine DVD. Nur an die Würste haben wir uns noch nicht herangetraut.

Der Obstmann, der Schwanenkrapfen-Mann, der Minitaco-Mann...

...die Grillwurst am Spieß-Frau, die Satayspieß-Frau, die Soja mit Maissnacks-Frau...

...die Papayasalat-Frau, die Kokoswasser-Frauen, der Omlett-Mann...

...die Los-Frau, die Opferblumen-Frau, der Schürzen-Mann...

...der Schmalzgebäck-Mann, die Palmblatt-Tier-Frau, der Mönchsbedarf-Mann...

...der Hello Kitty-Mann, die Bastfisch-Frau, der DVD-Mann...

...die Curry-Frau, die Toast mit Soße-Frau und die Schuster-Frau

Jul 29 / G&E

The Chang Rai Loop

Kommando Broomfietz

Uns ruft der Berg, darum begeben wir uns auf eine Mopedtour durch Thailands Nordosten. Erste Station ist die Provinzhauptstadt Chiang Rai wo wir zunächst eine wunderschöne rosafarbene Regenkombination erwerben. Derartig gut ausgerüstet beginnt die Suche nach einem zuverlässigen Motorrad, frei nach dem Dinslakener Motto: “Kommst du Mit tsu bishi, vielleicht ist Hon da.”
Hon ist tatsächlich da, und wir spekulieren auf das Modell “Phantom” mit 200 ccm, welches uns an anderer gebirgiger Stelle schon mal gute Dienste geleistet hat. Im Angebot ist allerdings nur das Volksmoped Modell “Wave” mit 110ccm, dafür brandneu. Im Laufe der Reise machen wir also häufiger einmal Bekanntschaft mit dem ersten Gang, was ok ist, denn zum Runterschalten sind wir schließlich hier.

Chiang Rai Loop

Der erste “Test-Ausflug” führt uns vor die Tore der Stadt wo ein wahnsinniger thailändischer Künstler mit seinen Jüngern einen expressiven weißen Tempel baut, der im Jahre 2070 fertig sein soll. Im Inneren finden sich auf den Wandmalereien neben Buddhas auch Spidermen und Star Wars Roboter – interessant…
Unweit von unserem Guesthouse hat der gleiche Künstler zum 80sten Geburtstag des Königs auch noch einen Uhrenturm geschaffen. Wir umrunden ihn mehrmals mit dem Moped und finden ihn, nun ja, interessant.

Wat Rong Khun

Chiang Rai Clocktower

Etappe Nummer Eins führt uns in das Dorf Mae Salong, in das ein Teil der Kuomintang nach der kommunistischen Machtergreifung in China geflohen sind. Da der Westen und die thailändische Regierung den Antikommunisten gewisse Symphatien entgegenbrachten, konnten die KMT ungestört eine riesige Opiumproduktion aufziehen. In den 80ern, als die kommunistische Bedohung sich nicht mehr ganz so bedrohlich anfühlte, begann die Regierung dann die KMT zu überreden andere Pflanzen, wie zum Beispiel Tee, anzubauen. Seitdem heisst das Dorf auch Santikhiri – Hügel des Friedens.
Die touristische Hauptattraktion dieser Gegend sind Trekkingtouren zu den diversen “Hill-Tribes”. Wir denken dabei an Hagenbeck um 1900, entscheiden uns gegen dieses zoo-artige Vergnügen und erfreuen uns stattdessen an den stein- und pappgewordenen Mitgliedern der Bergstämme.

Mae Salong

Hill-Tribes

Am Horizont sehen wir einen goldenen Dinosaurier, der sich bei näherer Untersuchung als ein gescheitertes Hotelprojekt entpuppt, welches seinen gestalterischen Schwerpunkt um das Thema “Teekanne” kreisen läßt. Vielleicht ein weiteres Beispiel dafür, dass es schwer ist abseits des Mainstreams Geld zu verdienen.
Hier treffen wir schliesslich dann doch auf Hill-Tribe-Kinder in ihren traditionellen Addidasjacken.

Pension zur goldenen Teekanne

Fahrt durch höhere Lagen

Der Weg an die burmesische Grenze führt uns an dem Berg “Doi Tung” vorbei, auf dem die Mutter des Königs ihren Landsitz im schweizerischen Stil bauen ließ. Wo sie nun schon mal da war, kam gleich noch ein recht ansehnlicher öffentlicher Garten dazu. Ihr Hauptverdienst aber war, dass sie sich bei den dort ansässigen Hill-Tribes (immer diese Hill-Tribes…) für modernere landwirschaftliche Methoden stark gemacht hat. Das führte schließlich dazu, dass der Opiumanbau und die schlechte Angewohnheit Wälder zu roden und abzufackeln, Kaffee- Teak- und Macadamiaplantagen gewichen ist. Das Resultat findet man unter anderem in Bangkok in der feinen Kaffeehauskette “Doi Tung”, wo der Kaffee so stark ist, dass man anfängt zu zittern.

Mae Fah Luang Garten

Wir übernachten in der Stadt Mae Sai und überqueren am nächsten Morgen die burmesische Grenze um der Militär-Junta 20 Euro in den Rachen zu werfen. (Der wahre Grund ist natürlich, dass wir unser Visum auf diese Weise um drei Monate verlängern). Wir müssen unseren Pass abgeben und bekommen einen Tages-Passierschein, der uns erlaubt über den direkt hinter der Grenze liegenden Markt mit gefälschten Waren aller Art zu wandern. Verlassen darf man die Stadt nicht und sie hat mit dem restlichen Burma soviel zu tun wie der Intershop mit der DDR zu tun hatte. Wir entscheiden uns gegen Viagra, Zigaretten und pornographische DVD’s und machen nach 20 Minuten wieder kehrt, um uns auf dem Weg zum berüchtigten goldenen Dreieck zu machen.

afdgha

Reispflanzerinnen in Gummistiefeln

Skandal: Das "Goldene Dreieck" ist in Wirklichkeit silbern und aus Edelstahl

Schönes aus Beton

Der Reiseführer beschreibt das goldene Dreieck als “Tourist Desaster Zone” und rät dort nicht einmal anzuhalten. Da die Geschmäcker aber verschieden sind, und wir uns durchaus an kreativer Dekoration erfreuen können, ignorieren wir diesen Ratschlag. Allerdings finden wir, dass das burmesische und laotische Ufer des Mekong dem thailändischen recht ähnlich sehen.

Ruinen in Chiang Saen

Gimlet, Vimlet, Timlet

10 Kilometer weiter südlich erreichen wir die Stadt Chiang Saen, wo wir uns am Mekongufer massieren lassen und ein merkwürdiges Zimmer mit Stockbetten beziehen. Der Gastwirt sitzt in der Lobby und spielt den ganzen Tag Fussball auf einer Playstation und einem 2 Quadratmeter großem Fernseher. Vor dem Haus sitzt ein Japaner, raucht unzählige Zigaretten und wartet darauf, dass seine Socken trocknen. Da das Zimmer nicht unbedingt zum Verweilen einlädt (die Übernachtung kostet aber auch nur 4 Euro), erkunden wir die pittoresken Tempel-Ruinen aus dem 14. Jahrhundert.
Derartig mit alter und neuer Baukunst saturiert, lassen wir uns schließlich in einem “Restaurant” am Fluß nieder und essen einen großen Mekongfisch. In der Bar gegenüber nehmen wir noch einen Drink, können uns aber schwer zwischen “King Alfong”, und einem “Vimlet” entscheiden.

Schlangen, Geister, goldene Schwengel

Wallfahrt in weiß

Die Strasse führt uns weiter am Mekong entlang und wir schauen nochmal kurz bei einem Tempel aus dem 6. Jahrhundert vorbei, der eine gute Aussicht bietet und spektakulär dekoriert ist. Sprituell aufgeladen treffen wir kurze Zeit später auf einen Minibus voller älterer Damen, die uns sogleich zu einem Picknick einladen. Mit dabei ist auch ein Mönch, der geduldig die verschiedenen Namen der Lebensmittel erklärt. Es gelingt uns aber auch nach dem zehnten Mal nicht, das Wort Pilz auf thailändisch richtig auszusprechen.
Das Ende dieser Etappe ist die Stadt Chiang Kong, von der aus man mit dem Boot den Mekong hinab nach Luang Prabang in Laos fahren kann. Wir checken in ein 4-stöckiges Haus ganz aus Teak ein und entdecken, dass die etwas schräge Hotelbesitzerin glühende “Red-Shirt” Verehrerin ist. Diese brisante Entdeckung hat aber keine weiteren Konsequenzen und wir stellen im Gespräch mit unseren Hotelnachbarn – jungen Rucksacktouristen – fest, dass in dieser Szene sowieso niemand je von den “Red Shirts” oder überhaupt politischen Konflikten in Thailand gehört hat.

Rotes Holz, rote Gesinnung, rosa Hose

Am Mekong kann man Wurzeln schlagen

Die vorletzte Etappe führt uns in die Berge an der Grenze zu Laos und ist atemberaubend schön. Hier wird es sehr schweizerisch, mit den dazugehörigen Kühen und Ziegen. Unser Moped hat einige Mühe mit den Steigungen, schafft es aber doch uns schließlich zum Pu Chi Fah zu bringen, wo wir in ein völlig verlassenes Dorf kommen. Sämtliche Gasthäuser sind verwaist und nur weil wir die Klänge eines Radios im letzten Haus vor dem Gipfel hören, finden wir eine Unterkunft. Der nette Wirt erklärt uns, dass fast alle Unterkünfte während der Regenzeit geschlossen sind und die Saison erst wieder im November losgeht. Das hält ihn zum Glück nicht davon ab uns ein Zimmer zu vermieten. Für die Nudelsuppe müssen wir aber ins 6 Kilometer entfernte Nachbardorf fahren.

Zu zweit im Viererzimmer - kann das gut gehen?

Die Gipfel des Doi Patang und des Phu Chi Fah

18 Prozent Steigung und Lebendhindernisse

Zurück in Chiang Rai entdecken wir ein gut frequentiertes Barbecue Buffet. Der Clou: Das clevere Tischgerät bietet eine integrierte Grill/Koch-Funktion. Die Holzkohle unter dem Topf grillt das Fleisch was man oben drauf legt und erhitzt gleichzeitig das Wasser im Rand, welches man mit Gemüse, Fisch und Krabben befüllt. Vielleicht eine Marktlücke für Deutschland?

Der Raclettefonduegrill

Unseren Rückflug haben wir dummerweise vom 200 Kilometer entfernten Chiang Mai gebucht, denn wir wollen ein Stück mit dem Boot in diese Richtung fahren. Leider schüttet es wie aus Kübeln und wir müssen den Bus nehmen. Den letzten Tag verbringen wir dann bei schönem Wetter damit, auf einer Honda “Dream” mit 125 ccm durch die Berge nahe Chiang Mai zu düsen und stellen fest, dass 10 ccm durchaus einen Unterschied machen können.

Doi Suthep

Ein Wachsmönch und sein Lieblings-Zahn im Wat Chedi Luang

Wir lassen uns von Lambada-singenden Plüschpandas verabschieden und freuen uns nach soviel Natur wieder auf unseren Moloch Bangkok.

Musikalische Pandas

Sep 16 / G&E

Der mobile Wald

Notre magnifique véranda

Was machen eigentlich zwei ehemalige Gartenbesitzer in so einer Beton-Metropole wie Bangkok?
Völlig klar: Sie nutzen verstärkt ihren Balkon. Die eine nutzt eher die Sitzgelegenheiten, der andere giesst, zupft, und schlägt Spinnmilben in die Flucht.
Der Balkon ließe sich aber nicht so vortrefflich begrünen, gäbe es nicht den von uns geliebten Chatuchak Markt gleich in unserer Nähe. Was die wenigsten nämlich wissen ist, dass der Markt nicht nur am Wochenende geöffnet ist. Nein! Am Mittwoch und Donnerstag verwandelt er sich in ein riesiges Pflanzencenter. Man bekommt dort von der Wildorchidee, über den Minisukkulenten bis hin zum meterhohen Baum, alles was Wurzeln schlägt. Alles ist unfassbar günstig weshalb unsere gesamte Balkonbegrünung vermutlich nicht mehr als 20 Euro gekostet hat. Die kleine rosa Pflanze zum Beispiel war uns 22 Cent wert (inklusive Topf), und schenkt uns für jeden Cent mindestens eine Blüte.

Der Blumentopfexpress ist da

Pflanzen! Sprengt eure Fesseln!

Hackenporsche und Lotusblüte

Viel ist schön

Plastikhocker und Schwiegermutter Sessel

Staatlich zertifizierte Pflanzentransporteurin, Marktstand mit Schirmen und die lustige Baumfee

Frangipani, Bananenblüte (zum Verzehr geeignet), Orchidee

Ein eindrucksvolles Display gegen die EU-Normbanane und ein Bonsai neigt sein erhabenes Haupt

Wald zu verkaufen

Götterspeise mit Schnauzbart

Ist das ein schwarzer Gartenzwerg, oder was? - Tillandsie mit Hut - Auch Thailand ist inzwischen total auf den Hund gekommen

Sep 29 / G&E

Thailands Bratpfanne

Der Vorteil ein Privatier zu sein ist: Auch mitten in der Woche sind sogenannte Wochendausflüge möglich.
Unser Ziel heisst diesmal Kanchanaburi und ist etwa zwei Minibusstunden von Bangkok entfernt. Bisher sind wir vor diesem Ort ein wenig zurückgeschreckt, soll es sich dabei doch um die heisseste Stelle Thailands handeln. Wir packen also unsere dünnsten Leibchen und unseren Hamburger Besuch Stefanie ein, und landen nach Ankunft in dem berüchtigten Traveller Guesthouse “Jolly Frog”. Hier verstecken sich finstere männliche Gestalten, in ihren schon nicht mehr besten Jahren, hinter großen Singhabier Flaschen, Israelis feilschen um den Preis eines Zimmers und junge Schwaben mit Backenbart sitzen mit Netbooks und Headsets an entlegenen Tischen und skypen mit unsichtbaren anderen Schwaben – ebenfalls mit Backenbart.

Wir fühlen uns alle wieder wie 23, als wir noch Rastazöpfe hatten und buchen eine Tagestour die sämtliche Sehenswürdigkeiten der Region abdeckt.
Als erstes besuchen wir den mutmaßlich schönsten Wasserfall Thailands: Den berühmten siebenstufigen Erawan Fall. Wir finden ihn tatsächlich schön und kämpfen uns an mehreren Affen und Waldgeistern zur fünften Stufe empor.

Typisch: Weibliche Waldgeister brauchen ständig neue Kleider

Dieser harmlose Wasserspaß, entwickelt sich recht unerwartet...

...zu einem heimtückischen Angriff der Bewohner von Ebene 5

Auf der fünften Stufe nehmen wir ein erfrischendes Bad, und werden, sobald wir innehalten, von den dort ansässigen Fischen einer Hautreinigung unterzogen. Diese Charaktereigenschaft wird von den Mitgliedern unserer Seilschaft unterschiedlich positiv beurteilt, aber auch verbale Beschwerden, ja sogar Kreischen, können diese Fische nicht zur Vernunft bringen. Wir fragen uns:
Essen diese Fische auch noch etwas anderes als Hornhaut und wenn nicht, reichen die Besucher des Erawan Falls um den Bedarf zu decken?
Kennen sich die Fische der unterschiedlichen Ebenen oder ist es etwa so wie in der Schweiz, und Tal X weiß nichts davon dass in Tal Y auch Käse gegessen wird?
Wie schmecken Fische die sich von menschlichen Füßen ernähren?

Nachdem wir keine dieser Fragen zufriedenstellend klären können, fahren wir weiter zum Hellfire Pass.

Hellfire Pass

Der Hellfire Pass ist ein berüchtigter Teil der Trasse der ehemaligen Thailand-Burma Railway, die die Japaner im zweiten Weltkrieg von Kriegsgefangenen und asiatischen Zwangsarbeitern durch den Dschungel prügeln ließen. Während der fünfzehn-monatigen Bauzeit starben fast 120.000 Menschen und die Japaner hatten ihren schlechten Ruf als die Nazis Asiens weiter zementiert. Seither heißt die Zugverbindung auch the “Death Railway”. An der Strecke liegen Gedenkstätten, ein sehr gut gemachtes Museum und auch eine kleine Höhle, die während des Baus der Eisenbahn als Hospital diente.

Das feuchte Krankenlager

Mit dem Mönch am Abgrund

Die Strecke wurde schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg wieder still gelegt, da die Thais eigentlich garnicht so gerne was mit den Burmesen zu tun haben wollten. Ein kleines Stück jedoch wurde erhalten und auf diesem fahren wir für ein paar Stationen mit dem Todeszug durch die Landschaft.

Ein seltsamer Ort

Die Touristen denken sich ihren Teil

Am Ende der Strecke befindet sich die Brücke am River Kwai, an der sehr viele lustige Asiaten noch lustigere Handyfotos voneinander machen, indem sie sich wahlweise auf die Schienen legen, herumhüpfen, oder auch nur das bei allen Fotogelegenheiten gern benutzte Victory Handzeichen machen. Wir akzeptieren auf unsere gelassene, asiatisch beeinflußte Art sämtliche Geschehnisse (nehmen dabei allerdings die Hilfe eines Bieres in Anspruch) und erlauben der Brücke uns mit ihrer Lichtinstallation den Heimweg zu leuchten. Dabei pfeifen wir das berühmte Lied “Komm doch mit auf den Underberg” *

*Anm. der Redaktion: Bei diesem Lied handelt es sich in Warheit nämlich um den Soundtrack des Films “Die Brücke am River Kwai”

Die Brücke als Lampe, Teil 2

Okt 18 / G&E

Ein Wetterbericht

Der Monsun

Nachdem wir während der letzten neun Monate beständig Temperaturen um die 34 Grad hatten, und eigentlich garnicht mehr damit gerechnet haben – schliesslich ist wegen des Klimawandels ja auf nichts mehr Verlass – ist sie nun endlich da: Die Regenzeit.
Das Thermometer pendelt sich erfreulicherweise bei 28 Grad ein, und auch sonst bringt uns der Monsun allerlei Neuigkeiten ins Haus.

Unser Haus, unser Hof

Unser Garten

Neu sind zum Beispiel die Geräusche. Da ist zunächst der ohrenbetäubende Donner, der oft so klingt als würde gerade das Nachbarhaus in sich zusammenfallen. Auch gesellen sich zu den üblichen Fröschen die das normale Froschgeräusch von sich geben, die von uns so genannten Trompetenfrösche. Sie quaken nicht lange herum, sondern geben einen merkwürdigen dumpfen Ton von sich, der so klingt als würde man eine Kartoffel in ein Alphorn stecken und dann kräftig herein atmen. Als wir sie zum ersten Mal hören denken wir an eine geheimnisvolle kaputte Maschine. Gesehen haben wir sie noch nicht, aber sie müssen mindestens zwei Meter groß sein.
Neu ist, dass wir zum ersten Mal verstanden haben warum es Hardcover gibt, da sich die Einbände sämtlicher Taschenbücher bei dieser Luftfeuchtigkeit nach oben rollen.
Neu ist auch, dass unser Nachtwächter bei diesen arktischen Temperaturen jetzt Skimütze trägt.

Nicht neu hingegen ist unser Hausmeister, von uns zärtlich „The Handyman“ genannt, und unser großes Vorbild. Er kann nämlich etwas was Menschen aus dem Westen nicht können – er kann einfach nur Sitzen. Die Fähigkeit über lange Strecken nichts zu tun ausser neben seinem alten Toyota auf einem Plastikstuhl zu sitzen, nötigt uns täglich den größten Respekt ab, und auch der Monsun vermag an dieser Gabe nichts zu ändern.

Unsere Gasse

Neu ist der Zwang zu einer gewissen Kleiderordnung. Wo wir zuvor freiwillig kurze Hosen und Plastik Flip Flops trugen, müssen wir das nun tun um unsere Gasse ohne Schlauchboot verlassen zu können. Wir versuchen nicht daran zu denken wer sich dieses Wasser noch mit uns teilt und haben wegen dieser mentalen Stärke noch immer gesunde Füsse.

Unsere Strasse

Als Zusatzausrüstung haben wir natürlich immer unsere Regencapes dabei. Das finden die Thailänder allerdings a. total unstylisch und b. völlig unnötig. Wozu auch die falsche Hast, wenn man sich auch mal ein Stündchen irgendwo unterstellen kann. Die einzigen Menschen die uns in dieser Hinsicht verstehen, gehören zu den Berufsgruppen Sicherheitspersonal und Motorradtaxifahrer.

Unser Tempel

Unser Markt

Unser Himmel

Unser Chinatown

Auch Besuche in fremden Vierteln halten immer wieder Überraschungen bereit. In den Gegenden am Fluss versuchen wir möglichst kleine Schritte zu machen, um nicht noch mehr Wasser in die Wohnzimmer der Anwohner zu spülen. In einem unserer Lieblingsrestaurants am Fluss wird zur Zeit der venezianische ‘Acqua Alta’ Kochstil gepflegt: Das Kochen von Bierbänken aus. Essen darf man dort zwar im ersten Stock, aber geht man auf die Toilette, kann es durchaus sein, dass man zuerst die Wasserhyazinten die vom Fluss hereinreingespült wurden aus der Schüssel entfernen muss. Bangkok ist eben eine Stadt in der Mensch und Natur noch im Einklang sind.

Unser Fluß